SONNTAG, 30. NOVEMBER 2025
Retinol Serum Anwendung - Frau trägt Vitamin A Serum mit Pipette auf Gesicht für Anti-Aging und Faltenreduktion

Retinol: Gut oder schlecht für die Haut?

Retinol: gut oder schlecht für die Haut? Diese Frage stellen sich Millionen Menschen, die nach wirksamen Anti-Aging-Lösungen suchen. Die Antwort ist eindeutig: Retinol ist einer der am besten wissenschaftlich belegten Wirkstoffe gegen Hautalterung. Studien zeigen beeindruckende Ergebnisse – 44% weniger Falten nach einem Jahr, 84% Verbesserung bei Pigmentflecken und eine Steigerung der Kollagenproduktion um 80%. Doch es gibt wichtige Unterschiede zwischen sicherem, frei verkäuflichem Retinol und verschreibungspflichtigem Tretinoin, das in Europa für kosmetische Zwecke verboten ist. In diesem Artikel erfahren Sie alles über die richtige Anwendung, Nebenwirkungen und warum Sie Retinol ab 30 Jahren in Ihre Hautpflege-Routine integrieren sollten.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Retinol ist wissenschaftlich belegt wirksam: 52 Wochen Anwendung reduzieren Krähenfüße um 44% und Pigmentflecken um 84% – signifikant besser als Placebo.
  • Kollagenproduktion steigt dramatisch: Nach 10-12 Monaten steigt die Kollagenbildung um 80%, während sie ohne Retinol um 14% sinkt.
  • Retinol ist sicher bei korrekter Anwendung: 0,1-0,3% Konzentration, abends auftragen, nur 5-8% werden systemisch absorbiert – bei alleiniger Anwendung keine Überdosierungsgefahr.
  • Ab 30 Jahren empfohlen: Je früher Sie beginnen, desto besser – aber auch mit 70 Jahren lohnt sich der Einstieg noch.
  • Optimale Routine: Sonnenschutz + Retinol: Morgens UV-Schutz, abends Retinol – diese Kombination ist wissenschaftlich die effektivste Anti-Aging-Strategie.
  • Langsame Steigerung verhindert Irritationen: Mit 2x pro Woche beginnen, nach Wochen auf jeden 2. Abend steigern, schließlich täglich – so gewöhnt sich die Haut.
  • KRITISCH – Tretinoin ist anders: Verschreibungspflichtiges Tretinoin ist in der EU für kosmetische Zwecke VERBOTEN. Eine Studie wurde wegen erhöhter Sterblichkeit abgebrochen (19 vs 14 Tote).
  • Kontraindikationen beachten: Nicht bei Schwangerschaft/Stillzeit (fruchtschädigend), empfindlicher Haut, Neurodermitis oder in Kombination mit Vitamin-A-Supplementen.

Was ist Retinol und wie wirkt es?

Retinol – was ist das?

Retinol ist eine Form von Vitamin A und gehört zur Familie der Retinoide. Es ist frei verkäuflich in Kosmetikprodukten erhältlich und wird vom Körper in der Haut in kleine Mengen Retinsäure umgewandelt – die biologisch aktive Form, die die Anti-Aging-Effekte auslöst.

Retinoide sind der Sammelbegriff für alle Vitamin-A-Derivate. Dazu gehören:

  • Retinylester (Retinyl Acetat, Retinyl Palmitat, Retinyl Propionat) – schwächste Form, wissenschaftlich meist unwirksam
  • Retinol – frei verkäuflich, wirksam, gute Balance zwischen Effektivität und Verträglichkeit
  • Retinaldehyd – frei verkäuflich, ähnlich wirksam wie Retinol, etwas sanfter
  • Tretinoin (Retinsäure) – verschreibungspflichtig, stärkste Wirkung, aber auch höchste Nebenwirkungsrate und Sicherheitsbedenken

Was bewirkt Retinol auf der Haut?

Retinol wirkt auf mehreren Ebenen gleichzeitig:

1. Kollagenproduktion ankurbeln: In der Lederhaut (Dermis), der mittleren Hautschicht, regt Retinol die Produktion von Kollagenfasern an. Diese Eiweißfasern machen die Haut stabil und fest. Mit zunehmendem Alter sinkt die Kollagenproduktion natürlicherweise – Retinol kehrt diesen Prozess um.

2. Oxidativen Stress reduzieren: Sauerstoff bewirkt in der Haut chemische Reaktionen, die als oxidativer Stress bezeichnet werden. Dieser beschleunigt den Abbau von Kollagen. Retinol wirkt als Antioxidans und neutralisiert diese schädlichen Prozesse.

3. Matrix-Metalloproteinasen inaktivieren: Diese Enzyme bauen Kollagen ab. Retinol blockiert ihre Aktivität und verhindert so den altersbedingten Kollagenverlust.

4. Verzahnung von Ober- und Unterhaut verbessern: Mit dem Alter flacht die Verzahnung zwischen Epidermis (Oberhaut) und Dermis (Lederhaut) ab. Retinol stellt diese Struktur wieder her, was zu strafferer, jugendlicherer Haut führt.

Was bewirkt Retinol im Gesicht konkret?

Die sichtbaren Effekte nach mehreren Monaten regelmäßiger Anwendung:

  • Feine und grobe Falten werden reduziert (44% Verbesserung nach 1 Jahr)
  • Pigmentflecken, Altersflecken und ungleichmäßiger Hautton verbessern sich (84% Reduktion)
  • Gesamte Hauttextur wird glatter und ebenmäßiger
  • Haut wirkt fester und straffer durch erhöhte Kollagendichte
  • Poren können sich optisch verkleinern

Die beeindruckende Wirkung von Retinol auf die Haut

Wie stark ist die Wirkung von Retinol wissenschaftlich belegt?

Die Evidenz für Retinol ist überwältigend. Eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie – der Goldstandard der medizinischen Forschung – zeigte nach 52 Wochen täglicher Retinol-Anwendung eine 44%ige Verbesserung der Krähenfüße (feine Linien um die Augen) und eine 84%ige Verbesserung fleckiger Pigmentierung.

Diese Ergebnisse waren signifikant unterschiedlich zur Placebo-Gruppe. Das bedeutet: Die Verbesserungen sind nicht Einbildung oder natürliche Schwankungen – sie sind real und messbar.

Was passiert mit dem Kollagen unter Retinol-Behandlung?

Hautbiopsien – Gewebeproben vor und nach 10-12 Monaten Behandlung – liefern beeindruckende Einblicke:

  • Kontrollgruppe (ohne Retinoid): Kollagenbildung sank um 14% – der natürliche Alterungsprozess schreitet voran.
  • Retinoid-Gruppe: Kollagenbildung stieg um 80% – eine dramatische Umkehrung des Alterungsprozesses.

Diese Zahlen stammen aus Studien mit verschreibungspflichtigem Tretinoin, aber auch Retinol zeigt ähnliche, wenn auch etwas schwächere Effekte bei deutlich besserer Verträglichkeit.

Wie lange dauert es, bis Retinol wirkt?

Geduld ist entscheidend. Die ersten sichtbaren Veränderungen treten meist nach 8-12 Wochen auf. Deutliche Verbesserungen werden nach 6 Monaten erkennbar. Maximale Effekte zeigen sich nach 12 Monaten kontinuierlicher Anwendung.

Das klingt lang – aber bedenken Sie: Hautalterung ist ein jahrzehntelanger Prozess. Die Umkehrung braucht Zeit. Wichtig ist die Kontinuität: Regelmäßige Anwendung über Monate und Jahre hinweg.

Retinol richtig anwenden: Dosierung und Zeitpunkt

Wann sollte man Retinol auftragen?

Die klare Empfehlung lautet: Abends vor dem Schlafengehen.

Warum retinol nur abends? Mehrere Gründe sprechen dafür:

  • Lichtempfindlichkeit: Retinol kann die Haut lichtempfindlicher machen. Nachts ist dies kein Problem.
  • Hautregeneration: Die Haut regeneriert sich hauptsächlich nachts. Retinol unterstützt diesen natürlichen Prozess optimal.
  • Keine Interferenz mit Sonnenschutz: Morgens tragen Sie Sonnenschutz auf. Abends hat Retinol die Nacht über Zeit zu wirken.

Wann sollte man mit Retinol beginnen?

Die Expertenmeinung: Ab 30 Jahren macht Retinol Sinn. Vor dem 30. Lebensjahr ist die natürliche Kollagenproduktion meist noch hoch genug. Ab 30 Jahren beginnt der altersbedingte Kollagenabbau sich zu beschleunigen – der ideale Zeitpunkt für präventives Anti-Aging.

Aber: Auch mit 40, 50, 60 oder 70 Jahren lohnt sich der Einstieg noch. Die Studien zeigen: Retinol wirkt in jedem Alter. Je früher Sie beginnen, desto mehr Alterung können Sie verhindern. Aber auch später können Sie sichtbare Verbesserungen erzielen.

Wie trägt man Retinol-Serum richtig auf?

Die optimale Anwendungsroutine Schritt für Schritt:

  1. Gesicht reinigen: Entfernen Sie Make-up und Schmutz gründlich.
  2. Haut trocknen: Warten Sie 5-10 Minuten. Auf trockener Haut wirkt Retinol besser und irritiert weniger.
  3. Retinol-Serum auftragen: Wenige Tropfen (erbsengroße Menge) genügen für das ganze Gesicht. Sanft einmassieren, Augenpartie aussparen.
  4. Einziehen lassen: 10-15 Minuten warten.
  5. Feuchtigkeitscreme auftragen: Optional, aber empfohlen bei trockener Haut.

Wichtig: Morgens IMMER Sonnenschutz (LSF 30+) verwenden, wenn Sie abends Retinol benutzen!

Welche Konzentration ist richtig?

Für Einsteiger: 0,1% Retinol ist ein guter Start. Diese Konzentration ist in vielen frei verkäuflichen Produkten enthalten und bietet eine gute Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit.

Nach einigen Monaten können Sie auf 0,3% steigern – die höchste Konzentration, die laut EU-Richtlinien für kosmetische Produkte sicher ist.

Körperlotions sollten maximal 0,05% Retinol enthalten, da größere Hautflächen behandelt werden und somit die Gesamtdosis höher ist.

Nebenwirkungen vermeiden: So minimieren Sie Hautirritationen

Trocknet Retinol die Haut aus?

Ja, Retinol kann die Haut austrocknen – vor allem in den ersten Wochen der Anwendung. Dies ist eine häufige Nebenwirkung, aber kein Grund zur Sorge. Die Haut gewöhnt sich mit der Zeit daran.

Weitere typische Nebenwirkungen in der Anfangsphase:

  • Rötung
  • Leichtes Brennen oder Stechen
  • Schuppung und Schälen der Haut
  • Leichter Juckreiz

Diese Symptome treten meist in den ersten 2 Wochen auf, erreichen dann einen Peak und klingen danach ab. Die gute Nachricht: Bei Retinol sind diese Nebenwirkungen deutlich seltener und milder als bei verschreibungspflichtigem Tretinoin.

Wie minimiert man Retinol-Nebenwirkungen?

Die bewährte Strategie der langsamen Steigerung:

Wochen 1-4: 2x pro Woche abends auftragen (z.B. Montag und Donnerstag)

Wochen 5-8: Jeden 2. Abend auftragen

Ab Woche 9: Täglich abends auftragen (wenn gut vertragen)

Zusätzliche Tipps:

  • Mit niedriger Konzentration (0,1%) beginnen
  • Auf trockene (nicht feuchte) Haut auftragen
  • Augenpartie großzügig aussparen
  • Reichhaltige Feuchtigkeitscreme danach verwenden
  • Bei starker Irritation: Pause einlegen, dann mit geringerer Frequenz neu starten

Sind die Nebenwirkungen gefährlich?

Nein. Die typischen Nebenwirkungen von Retinol sind unangenehm, aber nicht gefährlich. Sie sind Zeichen dafür, dass die Haut sich an den Wirkstoff gewöhnt und sich erneuert. Bei korrekter Anwendung (langsame Steigerung, richtige Konzentration) sind ernsthafte Probleme extrem selten.

Anders sieht es bei verschreibungspflichtigem Tretinoin aus – dazu mehr im nächsten Abschnitt.

Retinol vs. Tretinoin: Der entscheidende Unterschied

Was ist der Unterschied zwischen Retinol und Tretinoin?

Beide gehören zur Familie der Retinoide, aber es gibt fundamentale Unterschiede:

MerkmalRetinolTretinoin
VerfügbarkeitFrei verkäuflich (Drogerie, Apotheke)Verschreibungspflichtig
Chemische FormRetinol (wird in Haut zu Retinsäure umgewandelt)Retinsäure (All-trans Retinsäure, direkt aktiv)
WirkstärkeModerat (ausreichend wirksam)Sehr stark
NebenwirkungsrateNiedrig (meist gut verträglich)Sehr hoch (71% „Retinoid-Reaktion“)
EU-StatusZugelassen für KosmetikVERBOTEN für kosmetische Zwecke
SicherheitSicher bei korrekter AnwendungErhöhte Sterblichkeit in Studie (umstritten)

Warum ist Tretinoin stärker als Retinol?

Tretinoin ist bereits die aktive Form – Retinsäure. Es muss nicht erst vom Körper umgewandelt werden und wirkt daher direkter und intensiver. Retinol hingegen wird langsam und kontrolliert in der Haut zu Retinsäure umgewandelt, was zu sanfterer Wirkung führt.

Stärker ist nicht immer besser. Bei Tretinoin gilt: Die höhere Wirksamkeit geht mit drastisch erhöhten Nebenwirkungen einher.

Sollte man Retinol oder Tretinoin verwenden?

Für kosmetische Anti-Aging-Zwecke: Eindeutig Retinol.

Retinol bietet:

  • Wissenschaftlich belegte Wirksamkeit (44% Faltenreduktion)
  • Frei verkäuflich, keine ärztliche Verschreibung nötig
  • Deutlich bessere Verträglichkeit
  • Keine Sicherheitsbedenken bei korrekter Anwendung
  • In Europa legal für kosmetische Zwecke

Tretinoin hingegen ist in der EU für kosmetische Anwendungen verboten – aus gutem Grund.

WARNUNG: Warum Tretinoin für kosmetische Zwecke problematisch ist

Warum ist Tretinoin in Europa für Kosmetik verboten?

Tretinoin (auch bekannt als Retin-A, All-trans Retinsäure) ist in der Europäischen Union für kosmetische Zwecke nicht zugelassen. Der Grund: Sicherheitsbedenken aufgrund einer abgebrochenen klinischen Studie.

Was geschah in der Veterans Affairs Studie?

Die Veterans Affairs Topical Tretinoin Chemoprevention Trial sollte eine 6-jährige randomisierte kontrollierte Studie werden, um zu untersuchen, ob Tretinoin Hautkrebs vorbeugen kann. Doch die Studie musste vorzeitig abgebrochen werden.

Der Grund: Signifikant mehr Menschen starben in der Tretinoin-Gruppe als in der Placebo-Gruppe.

Zum Zeitpunkt des Studienabbruchs:

  • Tretinoin-Gruppe: 19 Todesfälle
  • Placebo-Gruppe: 14 Todesfälle

Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Unterschied reiner Zufall ist, liegt bei etwa 1 zu 100 (p < 0,01). Das ist statistisch bemerkenswert.

Ist Tretinoin tödlich?

Wir wissen es nicht mit Sicherheit. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Statistischer Zufall: Der Unterschied könnte zufällig entstanden sein. Bei kleinen Zahlen (19 vs 14) ist dies möglich, wenn auch unwahrscheinlich.
  2. Echter biologischer Effekt: Tretinoin könnte tatsächlich das Sterberisiko erhöhen. 1-8% der topisch aufgetragenen Retinsäure werden systemisch absorbiert – dies könnte unbekannte Auswirkungen haben.

Solange diese Frage nicht geklärt ist, bleibt Tretinoin für rein kosmetische Zwecke fragwürdig. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis ist unklar: Für medizinisch notwendige Behandlungen (schwere Akne, schwere Lichtschäden) mag das Risiko vertretbar sein. Für kosmetisches Anti-Aging – wenn sichere Alternativen wie Retinol existieren – ist es das nicht.

Hohe Nebenwirkungsrate: Die „Retinoid-Reaktion“

Unabhängig von der Sterblichkeitsfrage hat Tretinoin eine sehr hohe Nebenwirkungsrate:

  • 71% der Tretinoin-Nutzer erleben Hautirritationen (Rötung, Stechen, Brennen, Jucken, Schälen)
  • Zum Vergleich: Nur 23% bei Retinaldehyd, noch weniger bei Retinol
  • 4% in der Placebo-Gruppe (normale Hautreaktionen)

Ironischerweise könnte die konstante Irritation der Wirkmechanismus sein – die Haut wird ständig gezwungen, sich zu erneuern. Aber ist dieser „Stress“ für die Haut wirklich gesund? Oder gibt es langfristige Schäden?

Sollte man trotzdem Tretinoin verwenden?

Für kosmetische Anti-Aging-Zwecke: Nein.

Es gibt keinen Grund, das unklare Risiko einzugehen, wenn Retinol wissenschaftlich belegte, beeindruckende Ergebnisse liefert – bei deutlich besserer Verträglichkeit und ohne Sicherheitsbedenken.

Tretinoin mag medizinisch indiziert sein bei schweren Hauterkrankungen. Aber für „normale“ Anti-Aging-Zwecke ist Retinol die intelligentere, sicherere Wahl.

Retinaldehyd: Die sanfte Alternative

Was ist Retinaldehyd?

Retinaldehyd (auch Retinal genannt) ist ein weiteres Retinoid, das zwischen Retinol und Tretinoin liegt – sowohl in der Wirkstärke als auch in der Verträglichkeit. Es ist frei verkäuflich und bietet einen interessanten Kompromiss.

Wie wirksam ist Retinaldehyd im Vergleich?

Eine 48-Wochen-Studie verglich Retinaldehyd direkt mit Tretinoin (Retinsäure) und Placebo:

  • Messmethode: Silikon-Abdrücke der Krähenfüße vor und nach Behandlung, analysiert mit hochauflösender digitaler Bildverarbeitung (objektive Messung)
  • Ergebnis: Retinaldehyd zeigte eine ähnliche Reduktion feiner Linien und Falten wie Tretinoin
  • Nebenwirkungen: Nur 23% Hautirritationen bei Retinaldehyd vs. 71% bei Tretinoin vs. 4% bei Placebo

Das bedeutet: Retinaldehyd liefert fast die gleiche Wirkung wie das verschreibungspflichtige Tretinoin, aber mit dreimal weniger Nebenwirkungen.

Für wen ist Retinaldehyd geeignet?

Retinaldehyd ist ideal für Menschen mit:

  • Empfindlicher Haut, die Retinol schlecht verträgt
  • Wunsch nach stärkerer Wirkung als Retinol, aber ohne Verschreibung
  • Bereitschaft, etwas mehr zu investieren (Retinaldehyd-Produkte sind oft teurer)

Die meisten Menschen fahren mit Retinol bestens. Aber wenn Sie zu Hautirritationen neigen oder noch sanfter beginnen möchten, ist Retinaldehyd eine hervorragende Option.

Wer sollte kein Retinol verwenden?

Ist Retinol in der Schwangerschaft erlaubt?

Nein. Schwangere sollten auf Retinol verzichten.

Vitamin A in hohen Dosen ist fruchtschädigend (teratogen). Zwar werden bei topischer Retinol-Anwendung nur 5-8% systemisch absorbiert – eine geringe Menge. Aber aus Vorsichtsgründen raten Experten Schwangeren, sicherheitshalber auf alle Retinoid-haltigen Kosmetika zu verzichten.

Der Grund für diese Vorsicht: Isotretinoin (Accutane), ein verwandtes Medikament gegen Akne, verursacht schwere Geburtsfehler. Auch wenn topisches Retinol deutlich geringere Dosen bedeutet, ist das Risiko nicht vollständig auszuschließen.

Darf man Retinol in der Stillzeit benutzen?

Auch hier lautet die Empfehlung: Besser nicht.

Retinol könnte in geringen Mengen in die Muttermilch übergehen. Das Baby sollte kein zusätzliches Vitamin A aus dieser Quelle erhalten. Nach dem Abstillen können Sie bedenkenlos wieder mit Retinol beginnen.

Bei welchen Hauterkrankungen ist Retinol tabu?

Menschen mit folgenden Hautproblemen sollten kein Retinol verwenden:

  • Neurodermitis (atopische Dermatitis): Die Haut ist bereits chronisch entzündet und überempfindlich. Retinol würde die Symptome verschlimmern.
  • Extrem empfindliche, trockene Haut: Wenn Ihre Haut bereits auf milde Produkte mit Rötung und Brennen reagiert, ist Retinol keine gute Wahl.
  • Rosacea: Die entzündliche Hauterkrankung kann durch Retinol verschlimmert werden. Vorsicht ist geboten.
  • Offene Wunden, Ekzeme, akute Hautinfektionen: Warten Sie, bis die Haut abgeheilt ist.

Wann sollte man Retinol nicht mit anderen Produkten kombinieren?

Vorsicht bei gleichzeitiger Anwendung von:

  • Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin A: Risiko der Überdosierung. Etwa 5% der Menschen in Deutschland nehmen bereits sehr viel Vitamin A über Supplemente auf. Die zusätzliche Dosis durch Retinol-Creme könnte zu viel sein.
  • Andere stark wirksame Inhaltsstoffe: AHA/BHA-Säuren (Fruchtsäuren, Salicylsäure), Benzoylperoxid oder Vitamin C sollten nicht gleichzeitig mit Retinol verwendet werden – entweder morgens/abends trennen oder an unterschiedlichen Tagen.

Welche Risikogruppen sollten besonders vorsichtig sein?

Frauen nach der Menopause mit erhöhtem Osteoporose-Risiko: Zu viel Vitamin A kann Knochenbrüche und Knochenschwund begünstigen. Retinol-Cremes allein sind unproblematisch (nur 5-8% Absorption). Aber in Kombination mit Vitamin-A-Supplementen könnte die Gesamtdosis kritisch werden.

Diese Frauen sind paradoxerweise oft die Hauptzielgruppe für Anti-Aging-Produkte. Sie sollten nicht auf Retinol verzichten müssen – aber sie sollten keine zusätzlichen Vitamin-A-Präparate einnehmen, außer es gibt einen medizinischen Grund.

Die beste Retinol-Creme finden: Worauf achten?

Welche Retinol-Konzentration ist die beste?

Für Einsteiger: 0,1% Retinol

Nach einigen Monaten: 0,3% Retinol (höchste sichere Konzentration laut EU)

Manche Hersteller bewerben höhere Konzentrationen. Mehr ist nicht unbedingt besser – ab einem gewissen Punkt steigen nur noch die Nebenwirkungen, nicht die Wirksamkeit.

Wo sollte man Retinol-Produkte kaufen?

Sie haben zwei Optionen:

1. Drogerie: Große Auswahl, oft günstigere Preise, keine Beratung

2. Apotheke: Qualifizierte Beratung, die bei der Auswahl eines geeigneten Präparats helfen kann. Höhere Preise, aber dafür pharmazeutische Qualität und individuelle Empfehlung.

Für Einsteiger ist die Apotheke empfehlenswert. Die Beratung kann helfen, typische Anfängerfehler zu vermeiden.

Auf welche Inhaltsstoffe sollte man achten?

Gute Retinol-Produkte enthalten:

  • Stabilisiertes Retinol: Retinol ist licht- und luftempfindlich. Hochwertige Produkte nutzen spezielle Formulierungen oder lichtundurchlässige Verpackungen.
  • Feuchtigkeitsspendende Inhaltsstoffe: Hyaluronsäure, Glycerin, Ceramide – diese mildern die austrocknende Wirkung.
  • Antioxidantien: Vitamin E oder Niacinamid ergänzen die Wirkung von Retinol.

Vermeiden Sie:

  • Retinylester (Retinyl Palmitat, Retinyl Acetat): Diese sind wissenschaftlich weitgehend unwirksam. Selbst 48 Wochen tägliche Anwendung zeigte keinen Unterschied zu Placebo.
  • Parfüm und reizende Duftstoffe: Können Hautirritationen verstärken.

Serum, Creme oder Gel – was ist besser?

Das hängt von Ihrem Hauttyp ab:

  • Serum: Leichte Textur, zieht schnell ein, höhere Wirkstoffkonzentration. Gut für normale bis fettige Haut.
  • Creme: Reichhaltiger, pflegender, oft besser verträglich. Ideal für trockene Haut.
  • Gel: Sehr leicht, mattierend. Perfekt für fettige, zu Unreinheiten neigende Haut.

Die Form ist weniger wichtig als die Konzentration und Qualität des Retinols.

Wie lagert man Retinol-Produkte richtig?

Retinol ist empfindlich:

  • Kühl und dunkel lagern (nicht im Badezimmer mit hoher Luftfeuchtigkeit)
  • Deckel immer fest verschließen (Luftkontakt vermeiden)
  • Nicht länger als 6-12 Monate nach Öffnung verwenden
  • Verfärbung ins Gelbliche? Produkt ist oxidiert, sollte ersetzt werden