Der glykämische Index Kartoffel ist seit Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Debatten. Während Kartoffeln als gesundes Gemüse gelten, zeigt der glykämische Index von 78 ein anderes Bild. Harvard-Studien belegen: Jede zusätzliche Kartoffelportion pro Tag erhöht das Diabetesrisiko um 20 Prozent. Die Zubereitungsart spielt dabei eine entscheidende Rolle – frittierte Kartoffeln sind fünfmal schädlicher als gekochte Kartoffeln.
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Hoher glykämischer Index: Gekochte Kartoffeln haben einen glykämischen Index von 78 und gehören damit zu Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index.
- Diabetes-Risiko belegt: Die Harvard Nurses‘ Health Study zeigte über 20 Jahre: Hoher Kartoffelkonsum erhöht das Typ-2-Diabetes-Risiko um 20 Prozent pro zusätzlicher Portion.
- Zubereitungsart kritisch: Frittierte Kartoffeln und Pommes Frites sind fünfmal schädlicher als gekochte Kartoffeln – bereits drei Portionen pro Woche erhöhen das Diabetesrisiko um 20 Prozent.
- Glykämische Last entscheidend: Trotz hohem glykämischen Index haben Kartoffeln eine moderate glykämische Last von 10, was sie bei vernünftigen Portionen akzeptabel macht.
- Iranische Studie zeigt Gegenteil: In Ländern mit gesunder Ernährung (viel Obst, Gemüse, Vollkorn) kann Kartoffelkonsum das Diabetesrisiko sogar um 50 Prozent senken.
- Regelung des Blutzuckerspiegels: Die Zubereitungsart beeinflusst, wie schnell der Blutzuckerspiegel steigt – gekochte und abgekühlte Kartoffeln sind besser als heiße Kartoffelpüree.
Der glykämische Index Kartoffel erklärt
Was sagt der glykämische Index über Kartoffeln aus?
Der glykämische Index Kartoffel misst, wie schnell Kartoffeln den Blutzuckerspiegel ansteigen lassen. Mit einem Wert von 78 gehören gekochte Kartoffeln zu den Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index. Der glykämische Index wird auf einer Skala von 0 bis 100 gemessen, wobei Glukose mit 100 den Referenzwert darstellt. Ein glykämischer Index über 70 gilt als hoch, zwischen 55 und 70 als mittel, und unter 55 als niedrig.
Die glykämische Index Tabelle zeigt deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Kartoffelzubereitungen:
- Instant-Kartoffelbrei: glykämischer Index 87
- Gebackene Ofenkartoffeln: glykämischer Index 86
- Gekochte Kartoffeln: glykämischer Index 78
- Pommes Frites: glykämischer Index 63-75 (je nach Zubereitung)
- Süßkartoffeln gekocht: glykämischer Index 64
Wie beeinflusst der glykämische Index den Blutzuckerspiegel?
Lebensmittel mit hohem glykämischen Index lassen den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen. Die Regelung des Blutzuckerspiegels wird dadurch belastet: Die Bauchspeicheldrüse muss große Mengen Insulin ausschütten, um die Glukose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren. Bei häufigem Konsum von Lebensmitteln mit hohem glykämischen Index kann dies zu Insulinresistenz und letztlich zu Typ-2-Diabetes führen.
Ein blutzuckerspiegel normal liegt nüchtern bei 70-100 mg/dl. Nach dem Verzehr von Kartoffeln mit hohem glykämischen Index kann der Blutzuckerspiegel auf über 140 mg/dl ansteigen. Bei blutzuckerspiegel zu hoch oder blutzuckerwerte zu hoch spricht man von einer gestörten Glukosetoleranz – einem Vorstadium von Diabetes.
Warum haben Kartoffeln einen so hohen glykämischen Index?
Der hohe glykämische Index Kartoffel resultiert aus der Stärkezusammensetzung. Kartoffelstärke besteht hauptsächlich aus Amylopektin, einem schnell verdaulichen Kohlenhydrat. Bei der Erhitzung gelatiniert die Stärke und wird noch leichter verdaulich. Dies erklärt, warum Kartoffelpüree den höchsten glykämischen Index hat – die Stärke ist durch das Zerdrücken und Erhitzen maximal aufgeschlossen.
Eine glykämischer index tabelle diabetiker zeigt, dass Kartoffeln im oberen Bereich der glykämischen Index Lebensmittel liegen. Nur Weißbrot, Cornflakes und Glukose selbst haben höhere Werte.
Welcher glykämische Index ist gut?
Ein guter glykämischer Index liegt unter 55 – diese Lebensmittel gelten als niedrig glykämisch und lassen den Blutzuckerspiegel nur langsam ansteigen. Werte zwischen 55 und 70 gelten als mittel, über 70 als hoch. Für eine gesunde Ernährung und zur Diabetes-Prävention sollten Sie primär Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index wählen:
- Sehr gut (GI unter 40): Hülsenfrüchte, die meisten Gemüsesorten, Nüsse, Vollkornprodukte wie Quinoa
- Gut (GI 40-55): Süßkartoffeln, Vollkornpasta, Basmati-Reis, die meisten Obstsorten
- Akzeptabel (GI 55-70): Vollkornbrot, brauner Reis, Haferflocken
- Zu vermeiden (GI über 70): Kartoffeln (78), Weißbrot (75), Cornflakes (81), Glukose (100)
Der Blutzuckerspiegel normal wird am besten durch eine Ernährung mit überwiegend niedrig glykämischen Lebensmitteln aufrechterhalten. Dies schützt vor Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes.
Harvard-Studien: Kartoffeln und Diabetes-Risiko
Was fand die Harvard Nurses‘ Health Study heraus?
Die Harvard Nurses‘ Health Study ist eine der umfassendsten Ernährungsstudien weltweit. Über 20 Jahre wurden die Ernährungsgewohnheiten von hunderttausenden Frauen dokumentiert. Das Ergebnis war eindeutig: Ein hoher Kartoffelkonsum erhöht das Diabetesrisiko signifikant. Jede zusätzliche Portion Kartoffeln pro Tag war mit einem 20 Prozent höheren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden.
Überraschend war: Nicht nur frittierte Kartoffeln zeigten diesen Zusammenhang. Auch Kartoffelpüree und Ofenkartoffeln waren mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert. Dies deutet darauf hin, dass der hohe glykämische Index Kartoffel unabhängig von der Zubereitungsart problematisch ist.
Haben die Forscher andere Ernährungsfaktoren berücksichtigt?
Ja, die Harvard-Forscher führten umfangreiche statistische Anpassungen durch. Sie berücksichtigten:
- Fleischkonsum: Menschen, die viele Kartoffeln essen, konsumieren oft auch mehr Fleisch. Tierisches Protein allein erhöht bereits das Diabetesrisiko.
- Zugaben: Butter, saure Sahne und andere fettreiche Toppings wurden statistisch herausgerechnet.
- Gesamternährung: Gemüsekonsum, Limonadenkonsum und das Verhältnis von pflanzlichen zu tierischen Fetten wurden kontrolliert.
- Lebensstil: Bewegung, Rauchen und Body-Mass-Index wurden berücksichtigt.
Trotz all dieser Anpassungen blieb der Zusammenhang zwischen Kartoffelkonsum und Diabetesrisiko bestehen. Dies deutet darauf hin, dass der glykämische Index Kartoffel tatsächlich ein eigenständiger Risikofaktor ist.
Was ergab die Meta-Analyse von 2018?
Eine im Jahr 2018 veröffentlichte Meta-Analyse kombinierte die Ergebnisse von sechs großen Studien, darunter die Harvard Nurses‘ Health Study und die Health Professionals Follow-up Study. Die Gesamtanalyse von Hunderttausenden Teilnehmern bestätigte: Mit jeder Portion Kartoffeln steigt das Diabetesrisiko um 20 Prozent.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass der hohe glykämische Index Kartoffel und die dadurch verursachten Blutzuckerspitzen langfristig zu Insulinresistenz führen können. Walter Willett, der damalige Leiter der Ernährungsabteilung in Harvard, äußerte sich drastisch: Kartoffeln sollten in Ernährungsrichtlinien nicht als Gemüse, sondern eher zusammen mit Süßigkeiten eingeordnet werden.
Die Zubereitungsart macht den Unterschied
Warum sind frittierte Kartoffeln besonders schädlich?
Die Harvard-Studien zeigten einen dramatischen Unterschied: Frittierte Kartoffeln – Pommes Frites, Kartoffelchips und Rösti – waren fünfmal schädlicher als gekochte Kartoffeln. Bereits drei Portionen Pommes Frites pro Woche erhöhen das Typ-2-Diabetes-Risiko um 20 Prozent.
Der Grund liegt nicht nur im glykämischen Index. Beim Frittieren entstehen schädliche Verbindungen:
- AGEs (Advanced Glycation End Products): Diese Endprodukte der Glykation fördern Entzündungen und Insulinresistenz direkt.
- Acrylamid: Ein krebserregender Stoff, der bei hohen Temperaturen entsteht.
- Transfette: In vielen Frittierfetten enthalten, schädigen sie die Insulinsensitivität.
- Oxidiertes Fett: Mehrfach verwendetes Frittierfett ist besonders problematisch.
Pommes Frites kombinieren also den hohen glykämischen Index Kartoffel mit zusätzlichen metabolischen Schäden durch die Frittierprozesse.
Sind gekochte Kartoffeln gesünder?
Gekochte Kartoffeln haben gegenüber frittierten Kartoffeln mehrere Vorteile:
- Resistente Stärke: Nach dem Abkühlen bildet sich in gekochten Kartoffeln resistente Stärke, die den glykämischen Index senkt. Diese Stärke wird im Dünndarm nicht verdaut und wirkt wie Ballaststoffe.
- Keine schädlichen Verbindungen: Kochen bei 100°C erzeugt keine AGEs oder Acrylamid.
- Vitamine erhalten: Vitamin C und B-Vitamine bleiben teilweise erhalten.
- Kalium verfügbar: Kartoffeln sind eine hervorragende Kaliumquelle – wichtig für die Regelung des Blutzuckerspiegels und Blutdrucks.
Tipp: Kochen Sie Kartoffeln am Vortag und essen Sie sie kalt als Kartoffelsalat oder erwärmt. Durch die Kühlung bildet sich resistente Stärke, die den glykämischen Index von 78 auf etwa 55-60 senken kann.
Wie ist der glykämische Index von Kartoffeln vom Vortag?
Der glykämische Index von Kartoffeln vom Vortag ist deutlich niedriger als bei frisch gekochten Kartoffeln. Während heiße gekochte Kartoffeln einen glykämischen Index von 78 haben, sinkt dieser bei abgekühlten Kartoffeln auf 55-60. Dieser dramatische Unterschied resultiert aus der Bildung resistenter Stärke.
Bei der Kühlung kristallisiert die Kartoffelstärke neu aus – ein Prozess, der als Retrogradation bezeichnet wird. Die entstehende resistente Stärke hat besondere Eigenschaften:
- Nicht verdaulich im Dünndarm: Resistente Stärke passiert den Dünndarm unverdaut und gelangt in den Dickdarm, wo sie von Darmbakterien fermentiert wird.
- Ballaststoff-Effekt: Sie wirkt wie ein Ballaststoff und fördert eine gesunde Darmflora.
- Niedrigerer Blutzuckeranstieg: Weil weniger Stärke im Dünndarm zu Glukose abgebaut wird, steigt der Blutzuckerspiegel langsamer und weniger stark.
- Bessere Sättigung: Resistente Stärke hält länger satt und reduziert das Hunger gefühl.
Wichtig: Auch Wiedererwärmen zerstört die resistente Stärke nicht vollständig. Kartoffeln vom Vortag, die Sie am nächsten Tag aufwärmen, behalten etwa 70-80% ihrer resistenten Stärke. Am besten wirken kalte Kartoffeln – zum Beispiel als Kartoffelsalat mit Essig.
Welche Zubereitungsart ist am besten?
Für eine niedrig glykämische Ernährung empfehlen sich folgende Zubereitungsarten:
- Pellkartoffeln mit Schale: Die Schale enthält Ballaststoffe, die den Blutzuckeranstieg bremsen.
- Kartoffelsalat (kalt): Abgekühlte Kartoffeln haben durch resistente Stärke einen niedrigeren glykämischen Index.
- Dampfgegarte Kartoffeln: Schonende Zubereitung erhält Nährstoffe und Struktur.
- Backkartoffeln mit Quark: Protein aus Quark verlangsamt die Glukoseaufnahme.
Vermeiden Sie:
- Pommes Frites aus der Fritteuse
- Kartoffelpüree (höchster glykämischer Index)
- Fertige Kartoffelprodukte mit Zusatzstoffen
- Mehrfach frittierte Kartoffelprodukte
Glykämische Last: Wichtiger als der Index?
Was ist der Unterschied zwischen glykämischem Index und glykämischer Last?
Der glykämische Index zeigt, wie schnell ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt – unabhängig von der Portionsgröße. Die glykämische Last berücksichtigt dagegen die tatsächlich verzehrte Kohlenhydratmenge. Sie berechnet sich aus: (glykämischer Index × Kohlenhydrate pro Portion) ÷ 100.
Für Kartoffeln bedeutet das:
- Glykämischer Index Kartoffel: 78 (hoch)
- Kohlenhydrate pro 150g Portion: 20g
- Glykämische Last: (78 × 20) ÷ 100 = 15,6 (mittel)
Eine glykämische Last unter 10 gilt als niedrig, 11-19 als mittel, über 20 als hoch. Kartoffeln liegen also trotz hohem glykämischen Index im mittleren Bereich der glykämischen Last.
Macht die glykämische Last Kartoffeln gesünder?
Die glykämische Last zeigt, dass moderate Kartoffelportionen akzeptabel sein können – besonders wenn sie mit anderen Lebensmitteln kombiniert werden. Wenn Sie Kartoffeln zusammen mit Proteinen (Fisch, Quark) und Gemüse essen, wird der Blutzuckeranstieg zusätzlich abgemildert.
Allerdings: Die Harvard-Studien zeigten das erhöhte Diabetesrisiko auch bei normalen Portionsgrößen. Eine einzelne Portion von 150g Kartoffeln hat zwar eine mittlere glykämische Last, aber täglicher Konsum summiert sich. Die Studien berücksichtigten bereits realistische Portionsgrößen – und fanden trotzdem ein 20 Prozent höheres Diabetesrisiko pro täglicher Portion.
Wie sollte man Kartoffeln in eine niedrig glykämische Ernährung integrieren?
Für eine niedrig glykämische Ernährung gelten folgende Empfehlungen:
- Portionsgröße begrenzen: Maximal 150g Kartoffeln pro Mahlzeit
- Nicht täglich: 2-3 Mal pro Woche statt täglich
- Mit Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index kombinieren: Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte
- Protein dazu: Quark, Fisch, Hülsenfrüchte verlangsamen die Glukoseaufnahme
- Abkühlen lassen: Resistente Stärke bildet sich beim Abkühlen
- Mit Essig: Essig in Kartoffelsalat senkt den Blutzuckeranstieg um bis zu 30 Prozent
Eine glykämischer index tabelle zeigt: Süßkartoffeln (GI 64) oder Hülsenfrüchte (GI 25-40) sind bessere Alternativen für eine niedrig glykämische Ernährung.
Der Widerspruch: Die iranische Studie
Was fand die iranische Studie heraus?
Eine 2018 in der Zeitschrift Canadian Journal of Diabetes veröffentlichte iranische Studie kam zu einem gegenteiligen Ergebnis: Menschen, die mehr gekochte Kartoffeln aßen, hatten ein 50 Prozent niedrigeres Diabetesrisiko. Wie kann das sein?
Der Schlüssel liegt im Ernährungskontext: In Iran sind gekochte Kartoffeln die häufigste Zubereitungsart – nicht Pommes Frites. Menschen, die in Iran viele Kartoffeln essen, haben insgesamt eine gesündere Ernährung:
- Mehr Obst und Gemüse
- Mehr Hülsenfrüchte (niedrige glykämische Ernährung)
- Mehr Vollkornprodukte
- Weniger verarbeitete Lebensmittel
- Weniger Fleisch
Was bedeutet das für die Diabetes-Prävention?
Die iranische Studie zeigt: Der Kontext macht den Unterschied. In einer insgesamt gesunden Ernährung mit vielen lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index können gekochte Kartoffeln neutral oder sogar vorteilhaft sein.
In der typischen westlichen Ernährung – mit viel Fleisch, verarbeiteten Lebensmitteln und wenig Gemüse – verstärken Kartoffeln dagegen das Diabetesrisiko. Die US-amerikanischen Studien spiegeln wider, dass Kartoffeln meist als Pommes Frites oder mit ungesunden Toppings (Butter, Speck, saure Sahne) verzehrt werden.
Warum sind Beobachtungsstudien problematisch?
Die Kartoffel-Industrie, allen voran McCain Foods (größter Hersteller von Tiefkühl-Pommes), kritisiert die Harvard-Studien. Ihr Argument: Beobachtungsstudien können keine Kausalität beweisen. Möglicherweise ist der Kartoffelkonsum nur ein Marker für eine ungesunde Ernährung insgesamt.
Diese Kritik ist teilweise berechtigt. Auch wenn die Harvard-Forscher viele Faktoren statistisch kontrollierten, ist es unmöglich, alle Störfaktoren vollständig auszuschließen. Die systematische Überprüfung von 2016 im American Journal of Clinical Nutrition kam zu dem Fazit: Die Beweislage ist nicht ausreichend, um definitiv zu sagen, dass Kartoffeln Diabetes verursachen.
Dennoch: Die Konsistenz der Ergebnisse über mehrere große Studien hinweg und die biologisch plausible Erklärung (hoher glykämischer Index führt zu Insulinresistenz) sprechen dafür, dass der Zusammenhang real ist.
Wie Sie Kartoffeln richtig zubereiten
Wie kann man den glykämischen Index Kartoffel senken?
Mit den richtigen Zubereitungstechniken lässt sich der Blutzuckeranstieg nach Kartoffelverzehr deutlich reduzieren:
- Abkühlen lassen: Nach dem Kochen mindestens 24 Stunden im Kühlschrank lagern. Die Stärke kristallisiert und wird resistent.
- Mit Essig kombinieren: Essig hemmt Enzyme, die Stärke in Zucker spalten. Kartoffelsalat mit Essigdressing ist ideal.
- Mit Fett und Protein: Ein Esslöffel Olivenöl oder 100g Quark zur Kartoffel verlangsamen die Magenentleerung.
- Nicht zerkleinern: Ganze Kartoffeln haben einen niedrigeren glykämischen Index als Püree.
- Mit Schale: Ballaststoffe in der Schale bremsen die Glukoseaufnahme.
- Festkochende Sorten: Diese haben etwas mehr Amylose (langsam verdauliche Stärke) als mehlige Sorten.
Welche Alternativen gibt es zu normalen Kartoffeln?
Für Menschen mit blutzuckerspiegel zu hoch oder Diabetes gibt es bessere Alternativen:
- Süßkartoffeln: Glykämischer Index 64 statt 78, mehr Ballaststoffe und Beta-Carotin
- Hülsenfrüchte: Linsen (GI 25), Kichererbsen (GI 35), Bohnen (GI 40) – alle deutlich niedriger
- Quinoa: Glykämischer Index 53, hoher Proteingehalt
- Vollkorn-Pasta: Glykämischer Index 50, mehr Ballaststoffe
- Blumenkohl-Püree: Sehr niedriger glykämischer Index, ähnliche Konsistenz wie Kartoffelpüree
Was ist der Unterschied zwischen Kartoffeln und Süßkartoffeln beim glykämischen Index?
Der Unterschied zwischen Kartoffeln und Süßkartoffeln ist erheblich: Der glykämische Index Süßkartoffel liegt bei 64, während normale Kartoffeln einen glykämischen Index von 78 haben. Dies bedeutet, dass Süßkartoffeln den Blutzuckerspiegel deutlich langsamer ansteigen lassen – ein wichtiger Vorteil für die Diabetes-Prävention.
Die Gründe für den niedrigeren glykämischen Index der Süßkartoffel:
- Höherer Ballaststoffgehalt: Süßkartoffeln enthalten mehr Ballaststoffe, die die Kohlenhydrataufnahme verlangsamen.
- Andere Stärkezusammensetzung: Süßkartoffeln haben einen höheren Anteil an Amylose (langsam verdaulich) im Vergleich zu Amylopektin.
- Bioaktive Verbindungen: Anthocyane und Carotinoide in Süßkartoffeln können die Glukoseaufnahme modulieren.
- Geringerer Verarbeitungsgrad: Süßkartoffeln werden seltener zu Püree verarbeitet und behalten ihre Struktur.
Weitere Vorteile der Süßkartoffel:
- Beta-Carotin: 100g Süßkartoffel decken den Tagesbedarf an Vitamin A (als Provitamin)
- Niedrigere glykämische Last: Trotz süßem Geschmack nur GL von 11 (Kartoffel: 15,6)
- Antioxidantien: Besonders lila Süßkartoffeln sind reich an Anthocyanen
- Sättigender: Durch höheren Ballaststoffgehalt länger sättigend
Für Menschen mit Diabetes oder zur Prävention von Diabetes sind Süßkartoffeln die klar bessere Wahl. Der glykämische Index Süßkartoffel qualifiziert sie als mittleres glykämisches Lebensmittel (55-70), während normale Kartoffeln im hohen Bereich liegen (über 70).
Wie oft sollte man Kartoffeln essen?
Basierend auf den Harvard-Studien empfiehlt sich:
- Maximal 2-3 Portionen pro Woche statt täglich
- Portionsgröße 100-150g gekochte Kartoffeln
- Pommes Frites maximal 1x pro Monat oder vermeiden
- Kombiniert mit Gemüse und Protein: Nie Kartoffeln als Hauptgericht allein
- Als Beilage, nicht Hauptkomponente: Gemüse sollte die Hälfte des Tellers ausmachen
Die Regelung des Blutzuckerspiegels funktioniert am besten mit einer abwechslungsreichen Ernährung. Statt täglich Kartoffeln variieren Sie mit Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und verschiedenen Gemüsesorten.
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