SONNTAG, 30. NOVEMBER 2025
Ärztin hält empathisch Hand einer Patientin bei Brustkrebsvorsorge-Beratung - vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung im medizinischen Gespräch

Brustkrebsvorsorge ab wann? Evidenzbasierte Empfehlungen

Die Frage „Brustkrebsvorsorge ab wann?“ beschäftigt viele Frauen – und die Antworten fallen je nach Quelle überraschend unterschiedlich aus. Während manche Organisationen Mammographien ab 40 Jahren empfehlen, raten führende wissenschaftliche Gremien erst ab 50 Jahren dazu. Diese Diskrepanz ist kein Zufall, sondern Ergebnis einer kontroversen Debatte zwischen evidenzbasierter Medizin und wirtschaftlichen Interessen. In diesem Artikel beleuchten wir die wissenschaftlichen Fakten zur Brustkrebsvorsorge – von den offiziellen deutschen Empfehlungen über internationale Studien bis hin zu den Risiken, über die kaum gesprochen wird.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Ab 30 Jahren: In Deutschland beginnt die jährliche Tastuntersuchung beim Gynäkologen – kostenlos für gesetzlich Versicherte
  • Ab 50-75 Jahren: Mammographie-Screening alle 2 Jahre (seit Juli 2024 bis 75 statt nur bis 69)
  • Mammographie ab 40 umstritten: Wissenschaftliche Studien zeigen für Frauen unter 50 Jahren keinen klaren Nutzen von Routine-Mammographien, aber erhöhte Risiken für Überdiagnosen
  • Selbstuntersuchung problematisch: Großstudien mit Hunderttausenden Frauen zeigten keinen Nutzen, aber doppelt so viele unnötige Biopsien
  • Nutzen-Risiko-Balance: Von 1.000 Frauen werden 2-6 vor dem Brustkrebstod bewahrt, aber ~200 erleiden falsch-positive Befunde und 9-12 unnötige Behandlungen
  • Kostenübernahme in Deutschland: Mammographie-Screening zwischen 50-75 Jahren ist kostenlos, außerhalb dieser Altersgruppe meist IGeL-Leistung (Selbstzahler)
  • Interessenkonflikte: Unterschiedliche Empfehlungen zur Früherkennung werden teils durch finanzielle Interessen der Medizinindustrie beeinflusst
  • Überdiagnose-Problem: 9-12 von 1.000 Frauen erhalten unnötige Behandlungen für Krebsformen, die niemals Probleme verursacht hätten
  • Falsch-positive Befunde: Etwa 200 von 1.000 Frauen erleiden im Screening-Zeitraum unnötige Angst durch fehlerhaften Krebsverdacht
  • Informierte Entscheidung: Frauen verdienen vollständige Aufklärung über Vor- UND Nachteile, um selbst entscheiden zu können

Die offiziellen Empfehlungen in Deutschland

In Deutschland sind die Empfehlungen zur Brustkrebsvorsorge klar strukturiert und richten sich nach dem Alter der Frau. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für diese Vorsorgeuntersuchungen vollständig.

Ab wann zur Brustkrebsvorsorge gehen?

Die Antwort hängt von Ihrem Alter und Ihrem persönlichen Risiko ab. Für Frauen ohne erhöhtes familiäres Risiko gelten folgende Empfehlungen:

Ab dem 30. Lebensjahr haben Frauen Anspruch auf eine jährliche Tastuntersuchung beim Gynäkologen. Bei dieser klinischen Brustuntersuchung tastet der Arzt beide Brüste und die Lymphknoten in den Achselhöhlen ab, um auffällige Veränderungen zu entdecken. Diese Untersuchung ist kostenlos und sollte regelmäßig wahrgenommen werden.

Zwischen 50 und 75 Jahren erhalten Frauen zusätzlich zur Tastuntersuchung alle zwei Jahre eine Einladung zum Mammographie-Screening. Bis Juli 2024 war diese Regelung nur bis zum 69. Lebensjahr gültig – seit der Gesetzesänderung können nun auch Frauen bis 75 Jahre am Screening teilnehmen. Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust, die kleine Tumore erkennen kann, bevor sie tastbar sind.

Bei erhöhtem Risiko (z.B. BRCA-Mutation, familiäre Vorbelastung) beginnt die intensivierte Früherkennung bereits ab dem 25. Lebensjahr. Diese umfasst neben der Tastuntersuchung alle sechs Monate auch eine Ultraschalluntersuchung und gegebenenfalls eine MRT.

AlterMethodeHäufigkeitKosten
Ab 30TastuntersuchungJährlichKostenlos (GKV)
50-75Mammographie-ScreeningAlle 2 JahreKostenlos (GKV)
Ab 25*Intensivierte FrüherkennungAlle 6 MonateKostenlos bei Risiko
Ab 40Ultraschall (IGeL)Individuell26-60 Euro

*Bei familiärem Risiko / BRCA-Mutation

Ab wann zur Brustkrebsvorsorge? Die wissenschaftliche Evidenz

Während in Deutschland die Tastuntersuchung ab 30 Jahren empfohlen wird, gibt es international eine intensive Debatte darüber, ab wann Mammographien sinnvoll sind. Diese Kontroverse verdient besondere Aufmerksamkeit, denn sie offenbart grundlegende Konflikte zwischen evidenzbasierter Medizin und anderen Interessen.

Warum ist Früherkennung bei Brustkrebs so wichtig?

Die Grundidee der Früherkennung klingt einleuchtend: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Und tatsächlich – wenn Brustkrebs in einem frühen Stadium erkannt wird, ist er in der Regel sehr gut behandelbar. Doch die entscheidende Frage lautet: Führt die systematische Früherkennung durch Mammographie-Screening tatsächlich dazu, dass weniger Frauen an Brustkrebs sterben?

Diese Frage wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht – mit überraschenden Ergebnissen.

Was sagen wissenschaftliche Studien zur Mammographie ab 40?

Unabhängige wissenschaftliche Expertengremien haben die Evidenz zur Früherkennung umfassend ausgewertet. Eine kontroverse Debatte entstand, als evidenzbasierte Empfehlungen nahelegten, Routine-Mammographien nicht ab 40, sondern erst ab 50 Jahren zu beginnen – und diese nur alle zwei Jahre statt jährlich durchzuführen.

Der Grund: Studien zur Wirksamkeit von Mammographien ab 40 Jahren zeigten zunächst vielversprechende Ergebnisse. Doch bei genauerer Langzeitbeobachtung stellte sich heraus, dass das Screening in dieser Altersgruppe keinen nachweisbaren Nutzen in Bezug auf die Senkung der Brustkrebssterblichkeit brachte. Stattdessen wurden hauptsächlich Schäden dokumentiert.

Brustkrebsvorsorge ab 20 oder ab 50?

Diese Frage lässt sich wissenschaftlich beantworten: Eine Mammographie-Vorsorge ab 20 Jahren ist nicht sinnvoll. In diesem Alter ist Brustkrebs äußerst selten, und das Brustgewebe ist bei jungen Frauen deutlich dichter, was die Aussagekraft der Mammographie stark einschränkt. Selbst ab 40 Jahren ist der Nutzen wissenschaftlich nicht eindeutig belegt – daher beginnt das deutsche Mammographie-Screening-Programm erst ab 50 Jahren.

Die Tastuntersuchung ab 30 Jahren in Deutschland ist weniger problematisch, da sie keine Strahlenbelastung mit sich bringt und die Kosten gering sind. Allerdings sollte auch hier realistisch kommuniziert werden, dass der nachgewiesene Nutzen begrenzt ist.

Brustkrebsvorsorge wie oft? Jährlich vs. alle 2 Jahre

Eine weitere kontrovers diskutierte Frage betrifft die Häufigkeit der Mammographie-Untersuchungen.

Wie oft sollte man zur Brustkrebsvorsorge?

In Deutschland wird das Mammographie-Screening alle zwei Jahre angeboten – im Gegensatz zu manchen anderen Ländern, wo jährliche Untersuchungen empfohlen werden. Diese Entscheidung basiert auf wissenschaftlichen Überlegungen zur Nutzen-Schaden-Bilanz.

Studien zeigen, dass jährliche Mammographien im Vergleich zu zweijährlichen Intervallen:

  • Die Sterblichkeit nicht weiter senken
  • Deutlich mehr falsch-positive Befunde erzeugen
  • Mehr unnötige Biopsien und Behandlungen verursachen
  • Die Strahlenbelastung verdoppeln
  • Deutlich höhere Kosten verursachen (ohne zusätzlichen Nutzen)

Wissenschaftliche Expertengremien und auch die deutschen Screening-Programme empfehlen daher ein Intervall von zwei Jahren als optimalen Kompromiss zwischen potenziellem Nutzen und vermeidbaren Schäden.

Bis zu welchem Alter ist Brustkrebsvorsorge sinnvoll?

Die deutsche Regelung sieht seit Juli 2024 das Mammographie-Screening bis zum 75. Lebensjahr vor. Zuvor war die Grenze bei 69 Jahren. Diese Ausweitung basiert darauf, dass Brustkrebs auch bei älteren Frauen auftritt und die Lebenserwartung gestiegen ist.

Entscheidend ist jedoch die individuelle Gesundheitssituation: Bei Frauen mit schweren Begleiterkrankungen oder stark eingeschränkter Lebenserwartung überwiegen die Nachteile des Screenings möglicherweise die Vorteile. In solchen Fällen sollte gemeinsam mit dem Arzt eine individuelle Entscheidung getroffen werden.

Die Kontroverse: Warum unterschiedliche Empfehlungen?

Warum gibt es so unterschiedliche Empfehlungen zur Brustkrebsvorsorge? Warum empfehlen manche Organisationen Mammographien ab 40, während evidenzbasierte Leitlinien erst ab 50 Jahren raten? Die Antwort führt uns zu einem unbequemen Thema: finanzielle Interessenkonflikte.

Wirtschaftliche Interessen in der Früherkennung

Die Mammographie-Industrie generiert weltweit erhebliche Umsätze. Davon profitieren:

  • Hersteller von Mammographie-Geräten
  • Radiologische Praxen und Kliniken
  • Brustkrebszentren
  • Pharmazeutische Unternehmen (durch nachfolgende Behandlungen)

Wenn wissenschaftliche Expertengremien evidenzbasierte Empfehlungen veröffentlichen, die vom bisherigen Standard abweichen, kommt oft massive Kritik – besonders von Organisationen mit finanziellen Verbindungen zur diagnostischen oder therapeutischen Industrie.

Interessant ist auch, dass einige medizinische Fachgesellschaften, die großzügige Empfehlungen für Früherkennungsuntersuchungen aussprechen, Zuwendungen von Herstellern diagnostischer Geräte erhalten. Dies wirft Fragen nach der Unabhängigkeit solcher Empfehlungen auf.

Wissenschaft versus Tradition

Ein grundsätzlicher Konflikt entsteht häufig zwischen etablierter medizinischer Praxis und neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Wenn Studien zeigen, dass eine seit Jahrzehnten empfohlene Maßnahme weniger nützt als angenommen – oder sogar schadet – ist der Widerstand gegen Änderungen oft erheblich.

Für Patientinnen bedeutet dies: Verschiedene Informationsquellen können widersprüchliche Ratschläge geben. Unabhängige, evidenzbasierte Leitlinien (wie die der Deutschen Krebsgesellschaft oder des IQWiG) orientieren sich primär an wissenschaftlichen Daten, während andere Empfehlungen möglicherweise durch Tradition, wirtschaftliche Interessen oder rechtliche Absicherung beeinflusst werden.

Selbstuntersuchung der Brust: Sinnvoll oder schädlich?

Ein weiteres Beispiel für den Konflikt zwischen medizinischer Tradition und wissenschaftlicher Evidenz ist die Brust-Selbstuntersuchung.

Wie oft sollte man die Brust selbst untersuchen?

Die überraschende Antwort lautet: möglicherweise gar nicht – zumindest nicht als systematisch gelehrte und erinnerte Praxis. Diese Aussage mag schockieren, doch sie basiert auf solider wissenschaftlicher Evidenz.

In Großstudien mit Hunderttausenden Frauen wurde die Selbstuntersuchung der Brust wissenschaftlich überprüft. Eine Gruppe von Frauen wurde darin geschult, regelmäßig ihre Brüste selbst zu untersuchen, eine Kontrollgruppe nicht. Das Ergebnis nach Jahren der Beobachtung:

  • Kein Nutzen: Keine Reduktion der Brustkrebssterblichkeit
  • Kein früheres Stadium: Tumore wurden nicht in früheren Stadien entdeckt
  • Nur Schäden: Doppelt so viele unnötige Biopsien in der Selbstuntersuchungs-Gruppe

Wissenschaftliche Expertengremien empfehlen daher gegen das aktive Lehren und systematische Erinnern an Brust-Selbstuntersuchungen. Wenn eine Frau zufällig eine Auffälligkeit bemerkt, sollte sie selbstverständlich zum Arzt gehen. Aber Frauen systematisch anzuhalten, ihre Brüste monatlich selbst zu untersuchen, scheint mehr Schaden als Nutzen zu verursachen.

Warum empfehlen Ärzte es trotzdem?

Trotz dieser klaren wissenschaftlichen Evidenz lehren die meisten Ärzte weiterhin die Brust-Selbstuntersuchung. Warum? Die Erklärung ist ernüchternd: „Weil wir das schon immer so gemacht haben.“

Diese medizinische Trägheit – das Festhalten an Praktiken, die wissenschaftlich widerlegt sind – kann die Gesundheit von Frauen gefährden. Und das geschieht sogar ohne eine milliardenschwere Industrie im Hintergrund. Bei der Mammographie kommen zu dieser Trägheit noch massive finanzielle Interessen hinzu.

Nutzen und Risiken der Mammographie

Um eine informierte Entscheidung treffen zu können, müssen Frauen sowohl über den Nutzen als auch über die Risiken der Mammographie aufgeklärt werden. Leider geschieht diese ausgewogene Aufklärung viel zu selten.

Was sind die Vor- und Nachteile der Früherkennung?

Basierend auf wissenschaftlichen Studien lässt sich die Nutzen-Risiko-Balance quantifizieren. Betrachten wir 1.000 Frauen, die 10 Jahre lang am Mammographie-Screening teilnehmen (Altersgruppe 50-69 Jahre):

Nutzen:

  • 2-6 Frauen werden vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt

Schäden:

  • Etwa 200 Frauen erhalten falsch-positive Befunde (Verdacht auf Krebs, der sich als unbegründet herausstellt)
  • Diese 200 Frauen durchlaufen unnötige Zusatzuntersuchungen, Biopsien und psychische Belastung
  • 9-12 Frauen werden überdiagnostiziert – sie erhalten Krebsdiagnosen und werden behandelt (mit Chemotherapie, Bestrahlung, Operation, eventuell Mastektomie), obwohl diese Krebsformen möglicherweise niemals Probleme verursacht hätten
  • Maximal 1 Frau entwickelt durch die Strahlenbelastung der Mammographien selbst einen Brustkrebs

Welche Risiken hat die Mammographie?

Das größte Risiko der Mammographie ist die sogenannte Überdiagnose. Dabei werden Krebsformen entdeckt, die so langsam wachsen, dass sie zu Lebzeiten der Frau niemals Beschwerden verursacht hätten. Ohne Screening wären sie unentdeckt geblieben, und die Frau wäre an etwas anderem gestorben, ohne je von diesem Krebs zu wissen.

Doch sobald der Krebs entdeckt ist, wird er in der Regel behandelt – mit allen Nebenwirkungen und Risiken von Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Diese Frauen zahlen einen hohen Preis für eine Behandlung, die sie niemals gebraucht hätten.

Ein weiteres Problem sind falsch-positive Befunde. Etwa 200 von 1.000 Frauen erhalten im Laufe des Screenings mindestens einmal einen Verdachtsbefund, der sich später als unbegründet herausstellt. Die psychische Belastung durch einen Krebsverdacht, die Wartezeit bis zur Abklärung und die unnötigen Biopsien sind erhebliche Schäden.

Die fehlende Aufklärung

Studien zeigen, dass 9 von 10 Frauen über diese Risiken nicht aufgeklärt sind. Stattdessen wird Screening oft als reine Vorsichtsmaßnahme ohne Nachteile dargestellt. Emotionale Kampagnen fragen: „Welche unserer Mütter, Ehefrauen, Töchter und Schwestern wäre es okay zu verlieren?“ – eine Formulierung, die die Wissenschaft völlig verzerrt darstellt.

Tatsächlich ist es nicht die Frage „Screening oder Tod“, sondern „Screening mit seinen Vor- und Nachteilen oder kein Screening mit seinen Vor- und Nachteilen“. Eine ehrliche Darstellung würde Frauen befähigen, selbst zu entscheiden – statt sie durch Angst zu manipulieren.

Welche Methoden der Brustkrebsvorsorge gibt es?

Neben der Mammographie gibt es weitere Untersuchungsmethoden in der Brustkrebsvorsorge.

Was passiert bei der Tastuntersuchung?

Die klinische Tastuntersuchung (auch Palpation genannt) wird vom Gynäkologen durchgeführt. Dabei tastet der Arzt systematisch beide Brüste und die Achselhöhlen ab, um Verhärtungen, Knoten oder andere Auffälligkeiten zu entdecken. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei.

Der Vorteil: keine Strahlenbelastung, keine Kosten, schnell durchführbar. Der Nachteil: Kleine Tumore können übersehen werden, und wie bei der Selbstuntersuchung gibt es auch hier viele falsch-positive Befunde.

Wie funktioniert eine Mammographie?

Die Mammographie ist eine Röntgenuntersuchung der Brust. Dabei wird die Brust zwischen zwei Platten komprimiert und geröntgt – einmal von oben nach unten und einmal schräg von der Seite. Die Kompression kann unangenehm bis schmerzhaft sein, ist aber notwendig für aussagekräftige Bilder.

Die Röntgenbilder werden von spezialisierten Radiologen ausgewertet, die nach verdächtigen Strukturen suchen. Bei auffälligen Befunden erfolgen weitere Abklärungen.

Wann ist Ultraschall bei der Brustkrebsvorsorge sinnvoll?

Die Ultraschalluntersuchung (Mammasonographie) wird mit Schallwellen durchgeführt und verursacht keine Strahlenbelastung. Sie eignet sich besonders gut bei dichtem Brustgewebe, wo die Mammographie weniger aussagekräftig ist.

In Deutschland ist der Ultraschall als Screening-Methode nicht Teil der Kassenleistung und wird meist als IGeL-Leistung (Individuelle Gesundheitsleistung) für 26-60 Euro angeboten. Bei erhöhtem Brustkrebsrisiko oder zur Abklärung auffälliger Befunde übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Die Datenlage zum Nutzen des Ultraschall-Screenings ist begrenzt. Es ist unklar, ob zusätzliche Ultraschalluntersuchungen die Sterblichkeit senken – sie erhöhen aber definitiv die Rate an falsch-positiven Befunden und unnötigen Biopsien.

Wer hat ein erhöhtes Brustkrebsrisiko?

Ein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht bei:

  • Genetischen Mutationen (BRCA1, BRCA2 und andere)
  • Mehreren Brustkrebsfällen in der Familie (Mutter, Schwester, Tochter)
  • Früherer Brustkrebserkrankung
  • Vorbehandlung mit Bestrahlung im Brustbereich
  • Dichtem Brustgewebe

Was bedeutet intensivierte Früherkennung?

Frauen mit nachweislich erhöhtem Brustkrebsrisiko (z.B. BRCA-Mutation) erhalten ein spezielles Früherkennungsprogramm. Dieses beginnt bereits ab dem 25. Lebensjahr und umfasst:

  • Tastuntersuchung alle 6 Monate
  • Ultraschalluntersuchung alle 6 Monate
  • Jährliche MRT (Magnetresonanztomographie)
  • Mammographie ab dem 40. Lebensjahr (oder früher nach ärztlicher Empfehlung)

Bei diesen Hochrisikopatientinnen ist die Nutzen-Risiko-Abwägung anders als bei durchschnittlichem Risiko, weshalb intensivere Maßnahmen gerechtfertigt sind.

Kosten und Kostenübernahme

Was kostet die Brustkrebsvorsorge?

Die Kosten variieren je nach Untersuchungsmethode:

  • Tastuntersuchung: Ca. 20-30 Euro (Kassenleistung ab 30 Jahren)
  • Mammographie: Ca. 80-120 Euro (Kassenleistung 50-75 Jahre, alle 2 Jahre)
  • Ultraschall: 26-60 Euro (meist IGeL, bei Indikation Kassenleistung)
  • MRT: Ca. 500-800 Euro (bei Hochrisiko Kassenleistung)

Wer zahlt die Brustkrebsvorsorge?

Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt folgende Leistungen vollständig:

  • Jährliche Tastuntersuchung ab 30 Jahren
  • Mammographie-Screening alle 2 Jahre zwischen 50 und 75 Jahren
  • Intensivierte Früherkennung bei nachgewiesenem erhöhtem Risiko
  • Abklärungsuntersuchungen bei auffälligen Befunden (Ultraschall, Biopsie, MRT)

Nicht übernommen werden in der Regel:

  • Mammographie außerhalb des Screening-Programms ohne medizinische Indikation
  • Ultraschall als reine Vorsorgeleistung bei durchschnittlichem Risiko
  • Selbst gewünschte Zusatzuntersuchungen ohne Befund

Häufig gestellte Fragen

Ab wann zur Brustkrebsvorsorge gehen?

In Deutschland beginnt die Brustkrebsvorsorge ab dem 30. Lebensjahr mit der jährlichen Tastuntersuchung beim Gynäkologen. Ab 50 Jahren bis 75 Jahren kommt alle zwei Jahre die Mammographie hinzu. Bei erhöhtem familiärem Risiko (z.B. BRCA-Mutation) startet die intensivierte Früherkennung bereits ab 25 Jahren mit Tastuntersuchung, Ultraschall (alle 6 Monate) und jährlicher MRT.

Wie oft sollte man zur Brustkrebsvorsorge?

Die Tastuntersuchung sollte ab 30 Jahren jährlich erfolgen. Das Mammographie-Screening wird zwischen 50 und 75 Jahren alle zwei Jahre empfohlen. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass zweijährliche Intervalle genauso effektiv sind wie jährliche Untersuchungen, aber weniger falsch-positive Befunde und unnötige Biopsien verursachen – ohne die Kosten und Strahlenbelastung zu verdoppeln.

Welche Risiken hat die Mammographie?

Die Hauptrisiken sind falsch-positive Befunde (~200 von 1.000 Frauen), die unnötige Angst, weitere Untersuchungen und Biopsien verursachen, sowie Überdiagnose (9-12 von 1.000 Frauen), bei der Krebsformen entdeckt werden, die niemals Probleme verursacht hätten, aber trotzdem behandelt werden. Dazu kommt eine geringe Strahlenbelastung (maximal 1 strahleninduzierter Krebs pro 1.000 Frauen).

Wie oft sollte man die Brust selbst untersuchen?

Wissenschaftliche Expertengremien empfehlen gegen das systematische Lehren der Brust-Selbstuntersuchung. Großstudien mit Hunderttausenden Frauen zeigten keinen Nutzen (keine Reduktion der Sterblichkeit), aber Schäden (doppelt so viele unnötige Biopsien). Wenn eine Frau zufällig eine Auffälligkeit bemerkt, sollte sie zum Arzt gehen – aber monatliches systematisches Abtasten scheint mehr Schaden als Nutzen zu verursachen.

Wissenschaftliche Quellen