SONNTAG, 30. NOVEMBER 2025
Prostatakrebs Symptome: Medizinische Röntgenvisualisierung des Beckenbereichs mit leuchtend markierter Prostata in Orange, anatomische Darstellung

Anzeichen für Prostatakrebs: PSA-Screening Pro & Contra

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Eine überraschende wissenschaftliche Erkenntnis zeigt jedoch: 64% aller Männer entwickeln bis zum 60. Lebensjahr versteckten Prostatakrebs, aber nur 2,5% sterben daran – die meisten sterben MIT dem Tumor, nicht WEGEN des Tumors. Das PSA-Screening zur Früherkennung ist hochgradig umstritten: Es rettet über 16 Jahre nachweislich nicht vor dem Tod durch Prostatakrebs, während es 25-mal wahrscheinlicher ist, überdiagnostiziert zu werden. Dieser Artikel liefert dir alle wissenschaftlichen Fakten, um eine informierte Entscheidung über PSA-Screening treffen zu können.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Die meisten Männer leben MIT Prostatakrebs, nicht WEGEN des Tumors: 64% aller Männer entwickeln bis zum 60. Lebensjahr versteckten Prostatakrebs, aber nur 2,5% sterben daran.
  • PSA-Screening rettet über 16 Jahre KEIN Leben: Großangelegte Studien zeigen, dass PSA-Screening die Mortalität durch Prostatakrebs nicht senkt – der Nettonutzen liegt bei null.
  • 1 von 1000 Männern profitiert: Bei 1000 gescreenten Männern über 16 Jahre wird maximal 1 Todesfall durch Prostatakrebs verhindert.
  • 25-mal höheres Risiko der Überdiagnose: Es ist 25-mal wahrscheinlicher, mit Krebs überdiagnostiziert zu werden, der nie Probleme gemacht hätte, als dass das Leben durch Screening gerettet wird.
  • 150 von 1000 Männern haben falsch-positive Ergebnisse: Jeder siebte Mann mit PSA-Screening testet positiv, aber bei zwei Drittel liefert die Biopsie normale Ergebnisse.
  • Prostata-Biopsie hat Komplikationen: Schmerzen, blutiges Ejakulat und in 1% der Fälle schwere Infektionen, die Krankenhausaufenthalt erfordern.
  • Für jedes gerettete Leben ein Tod durch OP: 3 von 1000 Männern sterben während oder kurz nach einer radikalen Prostataentfernung – das gleicht den Nutzen des Screenings aus.
  • Massive OP-Nebenwirkungen: 20% der operierten Männer leiden langfristig an Harninkontinenz, 66% an erektiler Dysfunktion.
  • 89% der Männer überschätzen den Nutzen: Die meisten denken, PSA-Screening rettet 50% der Leben – tatsächlich ist es 1 von 1000.
  • Informierte Entscheidung statt Routine: 85% der medizinischen Berufsverbände weltweit sprechen sich gegen routinemäßiges PSA-Screening aus. Männer sollten aufgeklärt entscheiden.

Prostatakrebs: Die unbequeme Wahrheit

Wie gefährlich ist Prostatakrebs wirklich?

Prostatakrebs hat ein überraschend niedriges Tödlichkeitsrisiko im Vergleich zu seiner Häufigkeit. Die Zahlen aus wissenschaftlichen Studien zeigen:

64% aller Männer entwickeln bis zu ihrem 60. Lebensjahr versteckten Prostatakrebs (sogenannte latente Karzinome), der bei Autopsien gefunden wird. Bei nur 11% wird Prostatakrebs zu Lebzeiten diagnostiziert. Das Risiko, tatsächlich an Prostatakrebs zu sterben, liegt bei nur 2,5% – durchschnittlich im Alter von 80 Jahren.

Die Kernbotschaft: Die meisten Männer haben Prostatakrebs, aber sie sterben mit ihrem Tumor und nicht wegen ihres Tumors. Die meisten Männer verbringen ihr Leben mit Prostatakrebs, ohne überhaupt zu wissen, dass sie ihn haben.

Dies ist eines der zentralen Probleme beim Krebsscreening: Viele entdeckte Fälle von Prostatakrebs wären auch gar nicht schädlich, auch wenn sie unentdeckt blieben. Doch nicht alle Männer haben so ein Glück – etwa 30.000 Menschen sterben jährlich in den USA an Prostatakrebs (in Deutschland circa 15.000).

Wie lange kann man mit Prostatakrebs leben?

Die Prognose bei Prostatakrebs hängt stark vom Stadium der Erkrankung ab:

Lokalisierter Prostatakrebs (Stadium I-II): Wenn der Krebs auf die Prostata begrenzt ist, liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei nahezu 100%. Die meisten Männer sterben nicht an, sondern mit diesem Krebs. Viele dieser Tumoren wachsen so langsam, dass sie nie symptomatisch werden.

Lokal fortgeschrittener Prostatakrebs (Stadium III): Der Tumor hat die Prostatakapsel durchbrochen, aber noch nicht metastasiert. Die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt etwa 90-95%.

Metastasierter Prostatakrebs (Stadium IV): Wenn der Krebs in Lymphknoten oder Knochen gestreut hat, sinkt die 5-Jahres-Überlebensrate auf etwa 30-40%. Die mediane Überlebenszeit beträgt 2-5 Jahre, wobei moderne Therapien diese verlängern können.

Entscheidend ist: Die allermeisten Prostatakarzinome wachsen sehr langsam. Bei älteren Männern (über 75 Jahre) mit niedriggradigem Krebs ist „aktive Überwachung“ (watchful waiting) oft die beste Option, da sie mit höherer Wahrscheinlichkeit an anderen Ursachen sterben als am Prostatakrebs.

Was ist der Unterschied zwischen Prostatakrebs und Prostatavergrößerung?

Prostatakrebs (Prostatakarzinom) und gutartige Prostatavergrößerung (Benigne Prostatahyperplasie, BPH) sind zwei völlig unterschiedliche Erkrankungen, die aber ähnliche Symptome verursachen können:

Benigne Prostatahyperplasie (BPH):

  • Gutartige (nicht-krebsartige) Vergrößerung der Prostata
  • Betrifft fast jeden zweiten Mann über 50 Jahre
  • Verursacht Symptome durch Druck auf die Harnröhre: häufiger Harndrang, schwacher Harnstrahl, nächtliches Wasserlassen
  • Erhöht NICHT das Prostatakrebs-Risiko
  • Wird mit Medikamenten oder minimal-invasiven Verfahren behandelt

Prostatakrebs (Prostatakarzinom):

  • Bösartige Erkrankung, die metastasieren kann
  • Im Frühstadium meist symptomfrei
  • Symptome treten erst auf, wenn der Tumor groß genug ist oder metastasiert hat
  • Erfordert aktive Überwachung, Operation, Bestrahlung oder Hormontherapie
  • Kann PSA-Wert erhöhen (aber BPH auch!)

Wichtig: Probleme beim Wasserlassen sind kein spezifisches Symptom für Prostatakrebs. Diese Beschwerden treten viel häufiger bei gutartiger Prostatavergrößerung auf. Ein erhöhter PSA-Wert kann bei beiden Erkrankungen vorkommen, ist also nicht beweisend für Krebs.

Symptome und Anzeichen von Prostatakrebs

Welche Anzeichen gibt es für Prostatakrebs?

Die unbequeme Wahrheit über Prostatakrebs-Symptome lautet: Im Frühstadium gibt es keine.

Prostatakrebs wächst in vielen Fällen langsam und verursacht zunächst keinerlei Beschwerden. Die Erkrankung bleibt oft über Jahre unentdeckt, da der Tumor klein genug ist, um keine Symptome zu verursachen. Dies ist der Hauptgrund, warum Früherkennung überhaupt diskutiert wird.

Symptome treten erst auf, wenn der Tumor eine bestimmte Größe erreicht hat oder bereits in andere Organe gestreut hat. Die folgenden Anzeichen sind Warnsignale für fortgeschrittenen Prostatakrebs:

Probleme beim Wasserlassen (häufigste Symptome):

  • Schwacher oder unterbrochener Harnstrahl
  • Häufiger Harndrang, besonders nachts (Nykturie)
  • Verzögerter Beginn beim Wasserlassen
  • Gefühl der unvollständigen Blasenentleerung
  • Schmerzen beim Wasserlassen

Blutungen:

  • Blut im Urin (Hämaturie)
  • Blut im Sperma (Hämospermie)

Sexuelle Dysfunktion:

  • Erektile Dysfunktion
  • Schmerzen bei der Ejakulation

Schmerzen (Hinweis auf Metastasen):

  • Rückenschmerzen (häufigste Lokalisation: untere Wirbelsäule)
  • Schmerzen im Beckenbereich
  • Knochenschmerzen in Hüfte, Oberschenkeln, Rippen
  • Schmerzen beim Stuhlgang

Wichtig zu wissen: Alle diese Symptome können auch bei gutartiger Prostatavergrößerung, Harnwegsinfektionen oder anderen Erkrankungen auftreten. Sie sind NICHT spezifisch für Prostatakrebs. Wenn diese Beschwerden länger als zwei Wochen anhalten, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Wie merkt man dass man Prostatakrebs hat?

Die ehrliche Antwort: In den meisten Fällen merkt man es nicht. Prostatakrebs im Frühstadium verursacht keine spürbaren Symptome. Die Diagnose erfolgt typischerweise auf einem von drei Wegen:

1. PSA-Test und Tastuntersuchung: Etwa 75% der Prostatakrebsdiagnosen werden heute durch Vorsorgeuntersuchungen gestellt, bevor Symptome auftreten. Ein erhöhter PSA-Wert führt zu weiteren Untersuchungen.

2. Zufallsbefund: Bei Operationen wegen gutartiger Prostatavergrößerung wird manchmal zufällig Krebs im entfernten Gewebe entdeckt.

3. Symptomatische Diagnose: Erst wenn der Krebs fortgeschritten ist, treten Symptome auf (siehe oben). Diese Form der Diagnose ist seltener geworden, da viele Männer PSA-Tests durchführen lassen.

Das zentrale Problem: Frühdiagnose durch PSA-Screening führt zu vielen Überdiagnosen – Krebsdiagnosen, die ohne Screening nie zu Symptomen oder zum Tod geführt hätten.

Wie erkennt man Prostatakrebs im Frühstadium?

Prostatakrebs im Frühstadium kann nicht durch Symptome erkannt werden, da er keine verursacht. Die einzigen verfügbaren Methoden sind:

PSA-Test (Bluttest): Misst das prostataspezifische Antigen im Blut. Erhöhte Werte können auf Prostatakrebs hinweisen, aber auch auf gutartige Vergrößerung, Entzündung oder nach Manipulation (Radfahren, Sex). Nicht spezifisch.

Digitale rektale Untersuchung (DRU): Der Arzt tastet die Prostata durch den Enddarm. Knotige oder verhärtete Bereiche können auf Krebs hinweisen. Jedoch können nur Tumoren an der Rückseite der Prostata ertastet werden, und kleine Tumoren werden übersehen.

Prostata-Biopsie: Wenn PSA-Wert oder Tastbefund auffällig sind, werden unter Ultraschallkontrolle 10-12 Gewebeproben aus der Prostata entnommen. Nur die Biopsie kann Krebs sicher diagnostizieren oder ausschließen.

Die Kontroverse: Diese Früherkennung ist Fluch und Segen zugleich, wie die folgenden Abschnitte zeigen werden.

Wann treten erste Symptome bei Prostatakrebs auf?

Erste Symptome treten typischerweise erst auf, wenn der Tumor groß genug ist, um auf die Harnröhre oder Nachbarstrukturen zu drücken, oder wenn er bereits metastasiert hat. Dies kann Jahre bis Jahrzehnte dauern.

Bei langsam wachsendem Prostatakrebs (Gleason-Score 6 oder niedriger) können Männer ihr ganzes Leben symptomfrei bleiben. Bei aggressiven Tumoren (Gleason-Score 8-10) können Symptome innerhalb weniger Jahre auftreten.

Durchschnittlich vergehen vom Beginn des Tumorwachstums bis zu ersten Symptomen etwa 10-15 Jahre. Dies erklärt, warum viele ältere Männer mit Prostatakrebs nie Symptome entwickeln – sie sterben aus anderen Gründen, bevor der Krebs problematisch wird.

PSA-Screening: Was ist das?

Was passiert bei einer PSA-Test-Untersuchung?

PSA steht für prostataspezifisches Antigen, ein von der Prostata abgesondertes Enzym, das Samen und Zervixschleim verflüssigt, um die Befruchtung zu erleichtern. Ein PSA-Test ist ein einfacher Bluttest, bei dem die PSA-Konzentration im Blut gemessen wird.

Der Ablauf:

  1. Blutentnahme: Eine normale Blutprobe wird aus der Armvene entnommen. Der Test kann im Rahmen einer Routineuntersuchung durchgeführt werden.
  2. Laboranalyse: Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) angegeben. „Normale“ Werte variieren mit dem Alter:
    • Bis 50 Jahre: unter 2,5 ng/ml
    • 50-60 Jahre: unter 3,5 ng/ml
    • 60-70 Jahre: unter 4,5 ng/ml
    • Über 70 Jahre: unter 6,5 ng/ml
  3. Interpretation: Erhöhte Werte können auf Prostatakrebs hinweisen, aber auch auf:
    • Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)
    • Prostataentzündung (Prostatitis)
    • Harnwegsinfekt
    • Manipulation (Radfahren, Geschlechtsverkehr, Tastuntersuchung)
  4. Bei erhöhtem Wert: Der Test wird nach einigen Wochen wiederholt. Ist der Wert weiterhin erhöht, folgt eine digitale rektale Untersuchung und gegebenenfalls eine Prostata-Biopsie.

Wichtig: Ein erhöhter PSA-Wert ist KEIN Beweis für Krebs. Bei zwei Drittel der Männer mit erhöhtem PSA-Wert findet sich bei der Biopsie kein Krebs.

Ab wann sollte man zur Prostatakrebs-Vorsorge gehen?

Diese Frage ist hochgradig umstritten und die Empfehlungen variieren international:

Deutsche Empfehlungen:

In Deutschland haben Männer ab 45 Jahren Anspruch auf eine jährliche Tastuntersuchung der Prostata im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung (Kostenübernahme durch gesetzliche Krankenkassen). Der PSA-Test ist keine Kassenleistung und muss privat bezahlt werden (IGeL-Leistung, circa 25-40 Euro).

Die Deutsche Krebsgesellschaft und deutsche Urologen empfehlen ein differenziertes Vorgehen:

  • Ab 45 Jahren: Aufklärungsgespräch über Nutzen und Risiken des PSA-Tests
  • Ab 40 Jahren: Bei familiärer Vorbelastung (Vater/Bruder mit Prostatakrebs)
  • Individuelle Entscheidung: Nach informierter Aufklärung entscheidet der Mann selbst

Internationale Empfehlungen (2018):

Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) revidierte 2018 ihre Empfehlung: PSA-Screening sollte eine individuelle Entscheidung sein. Männer zwischen 55 und 69 Jahren sollten über Nutzen und Risiken aufgeklärt werden und dann selbst entscheiden. Männer, die unentschlossen sind und nicht eindeutig für das Screening sind, sollten NICHT gescreent werden.

Fazit: Es gibt KEINE Routineempfehlung für PSA-Screening. Die Entscheidung sollte nach ausführlicher Aufklärung individuell getroffen werden.

Der minimale Nutzen des PSA-Screenings

Warum ist PSA-Screening umstritten?

PSA-Screening ist eine der umstrittensten Früherkennungsmaßnahmen in der Medizin, weil der Nutzen minimal ist, während die Risiken erheblich sind. Die wissenschaftliche Evidenz aus großangelegten randomisierten Studien zeigt:

Der nachgewiesene Nutzen:

Bei 1.000 Männern, die über 16 Jahre regelmäßig PSA-Screening erhalten, wird maximal 1 Todesfall durch Prostatakrebs verhindert. Das bedeutet: 999 Männer profitieren NICHT vom Screening, aber alle 1.000 werden den Risiken ausgesetzt.

Keine Reduktion der Gesamtmortalität:

Entscheidend ist: PSA-Screening senkt die Gesamtsterblichkeit NICHT. Der Grund: Für jedes durch Früherkennung gerettete Leben wird ein Leben durch die Behandlungskomplikationen ausgelöscht. 3 von 1.000 Männern sterben während oder kurz nach einer radikalen Prostataentfernung.

Warum überschätzen Männer den Nutzen?

Eine wissenschaftliche Untersuchung zeigte: 89% der Männer überschätzen die Vorteile eines Prostata-Screenings erheblich oder hatten schlicht und einfach keine Idee über die tatsächlichen Zahlen. Die meisten dachten, dass 50% tödlicher Prostata-Erkrankungen bei 1.000 Männern mit regelmäßigem Screening vermieden werden könnten. In Realität ist es aber nur 1 Fall.

Ähnlich überschätzten 92% der Frauen die Mortalitätsreduktion einer Mammographie ums Zehnfache oder mehr.

Die kontroverse Wahrheit:

Die US Preventive Services Task Force, das bedeutendste unabhängige wissenschaftliche Gremium für evidenzbasierte Leitlinien, sprach sich ursprünglich gegen ein routinemäßiges PSA-Screening aus. Ebenso die American Academy of Family Physicians und 85% der medizinischen Berufsverbände in entwickelten Ländern weltweit.

Die erheblichen Risiken des PSA-Screenings

Welche Risiken hat eine Prostata-Biopsie?

Eine Prostata-Biopsie ist der nächste Schritt nach einem auffälligen PSA-Wert. Die Risiken werden oft unterschätzt:

Falsch-positive Ergebnisse sind extrem häufig:

Jeder siebte Mann mit PSA-Screening testet positiv. In zwei Drittel der Fälle liefert die Biopsie jedoch normale Ergebnisse – es war falscher Alarm. Von 1.000 gescreenten Männern haben etwa 150 Männer einen erhöhten PSA-Wert und müssen eine Biopsie durchführen lassen, obwohl sie keinen Krebs haben.

Komplikationen der Biopsie:

Die ultraschallgeführte Biopsie durch den Enddarm ist nicht harmlos:

  • Häufig (10-50%): Schmerzen, Blut im Urin, Blut im Stuhl, blutiges Ejakulat für mehrere Tage bis Wochen
  • Selten aber schwerwiegend (1%): Hämatogene Infektionen (Blutvergiftung), die Krankenhausaufenthalt und intravenöse Antibiotika erfordern
  • Sehr selten: Harnverhalt, schwere Blutungen, septischer Schock

Das bedeutet: Von 1.000 gescreenten Männern erleiden 150 unnötig eine Biopsie, davon entwickeln etwa 1-2 schwere Komplikationen.

Was tun bei erhöhtem PSA-Wert?

Ein einmalig erhöhter PSA-Wert ist KEIN Grund zur Panik. Folgendes Vorgehen ist empfohlen:

1. PSA-Wert wiederholen: Nach 4-6 Wochen erneut messen. Bei 25-30% normalisiert sich der Wert.

2. Störfaktoren eliminieren: 48 Stunden vor dem Test:

  • Kein Geschlechtsverkehr
  • Kein Radfahren
  • Keine Tastuntersuchung der Prostata
  • Keine Harnwegsinfekte (behandeln lassen)

3. PSA-Kinetik beobachten: PSA-Velocity (Anstiegsgeschwindigkeit über Monate) und PSA-Verdopplungszeit sind aussagekräftiger als ein Einzelwert.

4. Weitere Diagnostik erwägen:

  • Digitale rektale Untersuchung
  • MRT der Prostata (mpMRT) – kann viele unnötige Biopsien vermeiden
  • Erweiterte Tests: PHI (Prostate Health Index), 4Kscore, PCA3-Test

5. Biopsie nur bei begründetem Verdacht: Nicht automatisch bei jedem erhöhten Wert, sondern nach Risikostratifizierung.

Wichtig: Bei Männern über 75 Jahren oder mit schweren Begleiterkrankungen (Lebenserwartung unter 10 Jahren) sollte PSA-Screening generell NICHT durchgeführt werden, da Behandlung mehr schadet als nützt.

Welche Nebenwirkungen hat eine Prostatakrebs-Operation?

Die radikale Prostataentfernung (radikale Prostatektomie) ist die häufigste Behandlung bei lokalisiertem Prostatakrebs. Die Nebenwirkungen sind erheblich und werden oft unterschätzt:

Mortalität:

Etwa 3 von 1.000 Männern sterben während einer radikalen Prostataentfernung oder kurz danach. Dies gleicht statistisch den Nutzen des Screenings komplett aus: Für jedes durch Früherkennung gerettete Leben wird ein Leben durch die Operation ausgelöscht.

Schwere Komplikationen (5%):

50 von 1.000 Männern erfahren schwere chirurgische Komplikationen wie Blutungen, Infektionen, Thrombosen, Lungenembolie, Darmperforation oder Harnleiterverletzungen.

Harninkontinenz (20%):

Auch wenn die Operation problemlos verläuft, entwickelt ungefähr jeder fünfte Mann langfristige Inkontinenz und muss deshalb Einlagen tragen. In schweren Fällen ist ein dauerhafter Katheter oder eine künstliche Harnröhrenschließmuskel-Implantation notwendig.

Erektile Dysfunktion (66%):

Die meisten Männer – zwei von drei – leiden nach der Operation an erektiler Dysfunktion, auch bei nervschonender Operationstechnik. Selbst bei besten Chirurgen liegt die Rate bei 40-60%. Die sexuelle Funktion kehrt oft nicht zurück.

Nebenwirkungen der Bestrahlung:

Die meisten Männer, die sich einer Bestrahlung unterziehen, leiden ebenso langfristig an sexueller Dysfunktion (60-70%). Zusätzlich hat jeder sechste Mann langfristig Darmprobleme wie Durchfall, Darminkontinenz oder Blutungen im Stuhl. Blasenprobleme (Harndrang, Brennen) treten bei 20-30% auf.

Das Überdiagnose-Paradox

Wie häufig ist Überdiagnose bei Prostatakrebs?

Überdiagnose ist das größte Problem des PSA-Screenings. Sie bedeutet: Eine Krebsdiagnose wird gestellt, aber der Krebs hätte zu Lebzeiten nie Symptome verursacht oder zum Tod geführt. Der Mann wird als „Krebspatient“ etikettiert, obwohl er ohne Screening ein ganz normales Leben bis zum natürlichen Tod geführt hätte.

Die Zahlen sind erschreckend:

Großangelegte randomisierte Studien zeigen, dass 20 bis 50% der Männer mit Prostatakrebs-Diagnose durch Screening überdiagnostiziert sind. Es hätte keinen Unterschied gemacht, wenn sie kein Screening gehabt hätten. Aber nun müssen sie sich entscheiden: Behandlung mit massiven Nebenwirkungen oder quälende Ungewissheit bei aktiver Überwachung.

Das Paradox:

Über einen Zeitraum von 16 Jahren ist es 25-mal wahrscheinlicher, durch PSA-Screening mit Krebs überdiagnostiziert zu werden, der nie Probleme gemacht hätte, als dass das Leben durch das Screening gerettet wird.

Doch hier kommt das psychologische Paradox: Die Menschen, denen der größte Schaden hinzugefügt wurde – also eine unnötige Krebsbehandlung – fühlen sich, als ob ihnen am meisten geholfen wurde. Nach der Behandlung glauben sie fest daran, dass das PSA-Screening ihnen das Leben gerettet hat, obwohl sie ohne Screening nie Probleme gehabt hätten.

Wann ist eine Prostatakrebs-Behandlung notwendig?

Die Entscheidung für eine Behandlung ist komplex und sollte individuell getroffen werden. Nicht jeder diagnostizierte Prostatakrebs muss sofort behandelt werden:

Aktive Überwachung (active surveillance):

Bei niedriggradigem, lokalisiertem Prostatakrebs (Gleason-Score 6, PSA unter 10 ng/ml, wenige Biopsie-Stanzylinder befallen) ist aktive Überwachung eine sichere Option:

  • Regelmäßige PSA-Tests alle 3-6 Monate
  • Jährliche Tastuntersuchung
  • Wiederholte Biopsien alle 1-3 Jahre
  • Behandlung nur, wenn Progression erkennbar ist

Studien zeigen: Bei richtig selektierten Patienten ist die Überlebensrate nach 10 Jahren identisch mit sofortiger Behandlung – aber ohne deren Nebenwirkungen.

Sofortige Behandlung empfohlen bei:

  • Hochgradigem Krebs (Gleason-Score 8-10)
  • Lokal fortgeschrittenem Stadium (T3-T4)
  • Symptomatischem Krebs (Schmerzen, Harnverhalt)
  • Schnell steigendem PSA (Verdopplungszeit unter 3 Jahre)
  • Jüngeren Männern (unter 65 Jahre) mit aggressivem Tumor

Keine Behandlung sinnvoll bei:

  • Männern über 75 Jahren mit niedriggradigem Krebs
  • Lebenserwartung unter 10 Jahren aufgrund anderer Erkrankungen
  • Sehr langsam wachsendem Tumor (Gleason 6)

Internationale Empfehlungen

Was sollte man über PSA-Screening wissen bevor man sich entscheidet?

Bevor ein Mann sich für oder gegen PSA-Screening entscheidet, sollte er folgende Fakten kennen:

Die Zahlen pro 1.000 Männer über 16 Jahre:

  • Nutzen: 1 Todesfall durch Prostatakrebs wird verhindert
  • Risiko: 3 Todesfälle durch OP-Komplikationen
  • Überdiagnose: 20-50 Männer werden mit Krebs diagnostiziert, der nie Probleme gemacht hätte
  • Falsch-positiv: 150 Männer haben erhöhten PSA ohne Krebs und müssen Biopsie durchführen
  • Inkontinenz: 20 Männer leiden langfristig an Harninkontinenz
  • Impotenz: 66 Männer leiden an erektiler Dysfunktion

Internationale Empfehlung (USPSTF 2018):

Männer zwischen 55 und 69 Jahren sollten über Risiken und Nutzen informiert werden und dann selbst entscheiden. Männer, die unentschlossen sind und nicht eindeutig für das Screening sind, sollten NICHT gescreent werden.

Deutsche Situation:

PSA-Test ist keine Kassenleistung (IGeL-Leistung). Die Entscheidung muss privat bezahlt und individuell getroffen werden. Kritische Stimmen sehen darin einen Interessenkonflikt, da Ärzte an IGeL-Leistungen verdienen.

Persönliche Faktoren zu berücksichtigen:

  • Familiäre Belastung: Vater/Bruder mit Prostatakrebs erhöht Risiko um das 2-3-fache
  • Alter: Unter 55 Jahren selten sinnvoll, über 70 Jahren meist nicht mehr empfohlen
  • Lebenserwartung: Bei weniger als 10 Jahren mehr Schaden als Nutzen
  • Persönliche Präferenz: Kann man mit Ungewissheit leben oder bevorzugt man Früherkennung trotz Risiken?

Häufige Fragen

Wohin streut Prostatakrebs zuerst?

Prostatakrebs metastasiert zuerst in lokoregionäre Lymphknoten (50-60%), besonders Beckenlymphknoten. Bei fortgeschrittener Erkrankung folgen Knochenmetastasen (80-90%), vor allem in Wirbelsäule, Becken und Rippen. Diese verursachen Schmerzen und pathologische Frakturen. Seltenere Metastasierung: Lunge, Leber, Gehirn (unter 10%). Von Erstdiagnose bis Metastasierung können Jahre bis Jahrzehnte vergehen, abhängig von der Tumoraggressivität (Gleason-Score).

Wohin metastasiert Prostatakrebs am häufigsten?

Die mit Abstand häufigste Metastasierungslokalisation ist das Knochensystem. Bei 80-90% aller Männer mit metastasiertem Prostatakrebs finden sich Knochenmetastasen (Wirbelsäule, Becken, Rippen), während Organmetastasen (Lunge, Leber) deutlich seltener sind (unter 10%). Der Grund: Prostatakrebszellen produzieren Faktoren, die Knochenwachstum stimulieren (osteoblastische Metastasen).

Welche Schmerzen verursacht Prostatakrebs?

Prostatakrebs verursacht im lokalisierten Stadium KEINE Schmerzen. Schmerzen sind ein Spätzeichen bei fortgeschrittener Erkrankung: Knochenschmerzen (tiefliegende, bohrende Schmerzen in Wirbelsäule, Becken, Rippen – oft nachts schlimmer), Schmerzen beim Wasserlassen (Brennen, Druckschmerz), Beckenschmerzen (dumpfer Druck), Schmerzen beim Stuhlgang. Bei Auftreten ist der Krebs meist bereits metastasiert.

Prostatakrebs was tun?

Die Behandlung hängt vom Stadium ab. Lokalisierter Krebs: Aktive Überwachung (bei niedriggradigem Tumor), radikale Prostatektomie (OP) oder Bestrahlung. Lokal fortgeschritten: Bestrahlung + Hormontherapie oder OP + Lymphknotenentfernung. Metastasiert: Hormontherapie (Testosteron-Unterdrückung), Chemotherapie, neue Therapien (Abirateron, Enzalutamid, Radium-223), palliative Schmerztherapie. Entscheidung individuell nach Alter, Gesundheitszustand und persönlichen Präferenzen.