Makrobiotische Ernährung basiert auf Vollkorngetreide, Gemüse und Hülsenfrüchten und kann bei Diabetes Typ 2 beeindruckende Erfolge erzielen. Wissenschaftliche Studien zeigen: Patienten konnten ihren HbA1c-Wert von 12,6 auf 5,7 senken und Insulin vollständig absetzen. Die Ma-Pi 2 Diät, eine spezielle Form der makrobiotischen Ernährung, normalisierte Blutzuckerwerte innerhalb einer Woche und übertraf damit die offiziellen Diabetes-Empfehlungen deutlich. In diesem Artikel erfährst du, wie makrobiotische Ernährung funktioniert, welche wissenschaftlichen Belege es gibt und wie du sie praktisch umsetzen kannst.
Inhaltsverzeichnis
Wichtigste Erkenntnisse
- Drastische HbA1c-Reduktion: In einer 6-Monats-Studie sank der HbA1c-Wert bei Diabetes-Patienten von 12,6 (unkontrolliert trotz Insulin) auf 5,7 (nicht-diabetisch) durch die Ma-Pi 2 Diät.
- Insulin vollständig abgesetzt: Alle Teilnehmer der Studie konnten nach 6 Monaten makrobiotischer Ernährung ihre Insulin-Injektionen komplett eliminieren.
- Schnelle Wirkung: Die Ma-Pi 2 Diät normalisierte Nüchtern-Blutzuckerwerte bereits nach 7 Tagen (von 129 auf 95 mg/dl), während die Kontrollgruppe nach 21 Tagen nur 110 mg/dl erreichte.
- Medikamentenreduktion: 75% der Teilnehmer waren nach 6 Monaten komplett ohne jegliche Diabetes-Medikamente, allein durch Ernährungsumstellung.
- Überlegenheit gegenüber ADA-Empfehlungen: Die makrobiotische Diät übertraf die American Diabetes Association-Empfehlungen in allen Blutzucker-Kontroll-Parametern.
- Cholesterin-Senkung: LDL-Cholesterin sank um 20-48% und Triglyceride um fast 40%, was das kardiovaskuläre Risiko deutlich reduziert.
- Vollkorngetreide als Basis: Die Diät besteht zu 50-60% aus Vollkorngetreide wie braunem Reis, Gerste und Hirse, ergänzt durch 20-25% Gemüse.
- Hoher Kohlenhydratanteil wirkt positiv: Trotz 72% Kohlenhydraten verbesserten sich die Blutzuckerwerte signifikant, was die Low-Carb-These bei Diabetes widerlegt.
- Yin-Yang-Prinzip: Die makrobiotische Ernährung basiert auf dem taoistischen Konzept der Balance zwischen ausdehnenden (Yin) und zusammenziehenden (Yang) Lebensmitteln.
- Vitamin B12-Supplementierung notwendig: Da die makrobiotische Ernährung streng pflanzlich ist, muss Vitamin B12 zwingend supplementiert werden, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.
Grundlagen der makrobiotischen Ernährung
Was ist makrobiotische Ernährung einfach erklärt?
Makrobiotische Ernährung ist eine Lebensweise, die auf taoistischen Lehren und dem Prinzip von Yin und Yang basiert. Der Begriff stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „langes Leben“ (makros = groß, biotikos = das Leben betreffend). Die moderne Form der Makrobiotik wurde vom Japaner Georges Ohsawa begründet und in den 1970er und 1980er Jahren im Westen populär.
Im Kern geht es darum, durch ausgewogene Ernährung ein Gleichgewicht im Körper herzustellen und Gesundheit sowie Langlebigkeit zu fördern. Die makrobiotische Ernährung ist vollwertig, ballaststoffreich und fettarm. Sie verzichtet weitgehend auf verarbeitete Lebensmittel und tierische Produkte.
Was bedeutet Yin und Yang bei der makrobiotischen Ernährung?
In der makrobiotischen Philosophie werden alle Lebensmittel nach ihren energetischen Eigenschaften in Yin (ausdehnend) und Yang (zusammenziehend) eingeteilt. Ziel ist es, ein optimales Verhältnis zwischen beiden zu erreichen.
Yin-Lebensmittel (ausdehnend, kühlend):
- Zucker und Süßigkeiten
- Tropische Früchte
- Milchprodukte
- Kaffee und Alkohol
- Nachtschattengewächse (Tomaten, Kartoffeln, Auberginen)
Yang-Lebensmittel (zusammenziehend, wärmend):
- Vollkorngetreide
- Hülsenfrüchte
- Wurzelgemüse
- Meeresalgen
- Fermentierte Sojaprodukte
Vollkorngetreide, insbesondere brauner Reis, gilt als optimal ausgewogen mit einem Yin-Yang-Verhältnis von etwa 5:1 und bildet daher die Basis der makrobiotischen Ernährung.
Wirkung bei Diabetes Typ 2
Wie hilft makrobiotische Ernährung bei Diabetes?
Makrobiotische Ernährung kann bei Diabetes Typ 2 auf mehreren Ebenen wirken. Die wissenschaftlichen Studien zeigen beeindruckende Ergebnisse, die durch verschiedene Mechanismen erklärt werden können:
1. Verbesserung der Darmmikrobiota: Der hohe Ballaststoffanteil aus Vollkorngetreide und Gemüse fördert die gesunden Darmbakterien. Diese produzieren kurzkettige Fettsäuren, die die Insulinsensitivität verbessern und Entzündungen reduzieren.
2. Korrektur der metabolischen Azidose: Tierische Proteine führen zu einer leichten Übersäuerung des Körpers (metabolische Azidose), die mit Insulinresistenz in Verbindung gebracht wird. Die rein pflanzliche makrobiotische Ernährung korrigiert diesen Zustand.
3. Hoher Ballaststoffanteil: Ballaststoffe aus Vollkorngetreide verlangsamen die Zuckeraufnahme ins Blut und verhindern Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten.
4. Niedriger glykämischer Index: Vollkorngetreide haben einen niedrigeren glykämischen Index als raffinierte Kohlenhydrate und führen zu stabileren Blutzuckerwerten.
5. Gewichtsreduktion: Die makrobiotische Ernährung ist naturgemäß kalorienarm und fettarm, was bei Übergewicht zu einer Gewichtsreduktion führt – ein Hauptfaktor für die Verbesserung von Diabetes Typ 2.
Warum senkt makrobiotische Ernährung den Blutzucker?
Die Blutzucker-senkende Wirkung der makrobiotischen Ernährung beruht auf der Kombination mehrerer Faktoren. Vollkorngetreide wie brauner Reis, Gerste und Hirse enthalten komplexe Kohlenhydrate, die langsam verdaut werden und den Blutzucker gleichmäßig ansteigen lassen, anstatt Spitzen zu verursachen.
Ein wichtiger Aspekt ist die Elimination von tierischen Produkten. Studien zeigen, dass tierische Fette die Insulinresistenz fördern können. Die Ma-Pi 2 Diät ist streng pflanzlich und enthält nur minimale Mengen an gesättigten Fetten.
Darüber hinaus spielt die Gesamtkomposition der Mahlzeiten eine Rolle: Die Kombination aus Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Gemüse liefert eine ausgewogene Nährstoffzusammensetzung mit allen essentiellen Aminosäuren, Vitaminen und Mineralstoffen, die für einen gesunden Stoffwechsel notwendig sind.
Wie schnell wirkt makrobiotische Ernährung bei Diabetes?
Die Studien zur Ma-Pi 2 Diät zeigen eine bemerkenswert schnelle Wirkung. In einer randomisierten kontrollierten Studie normalisierten sich die Nüchtern-Blutzuckerwerte bei den Teilnehmern an der makrobiotischen Diät bereits innerhalb von einer Woche.
Die Teilnehmer starteten mit durchschnittlichen Nüchtern-Blutzuckerwerten von 129 mg/dl. Nach nur 7 Tagen lagen die Werte bei 95 mg/dl – im gesunden, nicht-diabetischen Bereich. Zum Vergleich: Die Kontrollgruppe mit der Standard-Diabetes-Diät erreichte nach 21 Tagen (Ende der Studie) nur 110 mg/dl – weiterhin im diabetischen Bereich.
Langfristige Ergebnisse nach 6 Monaten:
- HbA1c-Reduktion von 12,6 auf 5,7 (unkontrollierter Diabetes → nicht-diabetisch)
- 100% der Teilnehmer konnten Insulin absetzen
- 75% waren komplett ohne Diabetes-Medikamente
- LDL-Cholesterin sank um 20%
- Triglyceride sanken um 40%
Wissenschaftliche Studien zur Ma-Pi 2 Diät
Welche Studien gibt es zur makrobiotischen Ernährung bei Diabetes?
Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit der makrobiotischen Ernährung bei Diabetes stammt hauptsächlich aus Studien zur Ma-Pi 2 Diät, einer standardisierten Form der makrobiotischen Ernährung, die speziell für Diabetes-Patienten entwickelt wurde.
1. Pooled Analysis (Porrata-Maury et al., 2014): Eine Meta-Analyse mehrerer Kurzzeit-Interventionsstudien zeigte konsistente Verbesserungen der Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes-Patienten durch die Ma-Pi 2 Diät.
2. MADIAB-Trial (Soare et al., 2014): Diese randomisierte kontrollierte Studie verglich die Ma-Pi 2 Diät direkt mit den Empfehlungen der American Diabetes Association. Die makrobiotische Gruppe zeigte in allen Parametern bessere Ergebnisse:
- Schnellere Normalisierung der Nüchtern-Blutzuckerwerte (1 Woche vs. 3 Wochen)
- 100% der Teilnehmer erreichten Werte unter 110 mg/dl (Kontrollgruppe: <50%)
- Fünf von sieben Teilnehmern mussten blutzuckersenkende Medikamente absetzen, da die Werte sonst zu niedrig gefallen wären
- LDL-Cholesterin fiel auf durchschnittlich 62 mg/dl – eine 48%ige Reduktion in nur 3 Wochen
3. Langzeit-Interventionsstudie (Porrata et al., 2009): Diese Studie untersuchte die Wirkung der Ma-Pi 2 Diät über 6 Monate bei Patienten mit schwer einstellbarem Diabetes (HbA1c 12,6 trotz Insulin). Die Ergebnisse waren außergewöhnlich:
- HbA1c sank von 12,6 auf 5,7 (nicht-diabetischer Bereich)
- Alle Teilnehmer konnten Insulin vollständig absetzen
- 75% benötigten keinerlei Diabetes-Medikamente mehr
Was ist die Ma-Pi 2 Diät?
Die Ma-Pi 2 Diät ist eine standardisierte Form der makrobiotischen Ernährung, die vom italienischen Arzt Dr. Mario Pianesi entwickelt wurde. Sie ist streng pflanzlich und basiert auf folgender Zusammensetzung:
Tägliche Ernährung:
- Vollkorngetreide (50-60%): Brauner Reis, Gerste, Hirse, Buchweizen
- Gemüse (20-25%): Saisonal und regional, gedünstet oder roh
- Hülsenfrüchte (10-15%): Adzuki-Bohnen, Kichererbsen, Linsen
- Meeresalgen (5%): Nori, Kombu, Hiziki
- Getränke: Grüner Tee, Gerstentee
Beispiel-Tagesplan:
Frühstück: Herzhafter Vollkornkuchen aus Gerste oder Hirse mit grünem Tee
Snack: Brauner Reis-Sesam-Bällchen
Mittagessen: Gemüse-Hirse-Suppe, Brauner Reis-Salat mit viel Gemüse, Adzuki-Bohnen
Snack: Vollkorn-Cracker oder gedämpftes Gemüse
Abendessen: Gemüse-Gerste-Suppe, gedünstetes Gemüse, Kichererbsen, grüner Tee
Die Diät enthält etwa 72% Kohlenhydrate, was viele überrascht, die Low-Carb-Ansätze für Diabetes gewohnt sind. Doch die Studien zeigen eindeutig: Diese Kohlenhydrate aus Vollkorngetreide führen nicht zu schlechteren, sondern zu dramatisch besseren Blutzuckerwerten.
Was sagt die Wissenschaft zur makrobiotischen Ernährung?
Die wissenschaftliche Bewertung der makrobiotischen Ernährung ist differenziert. Während die positiven Effekte bei Diabetes gut dokumentiert sind, gibt es auch kritische Stimmen bezüglich potenzieller Nährstoffmängel.
Positive wissenschaftliche Evidenz:
- Deutliche Verbesserung der glykämischen Kontrolle bei Typ-2-Diabetes
- Reduktion kardiovaskulärer Risikofaktoren (Cholesterin, Triglyceride)
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht
- Entzündungshemmende Wirkung durch Darmmikrobiota-Verbesserung
Kritische Aspekte:
- Risiko für Vitamin-B12-Mangel (muss supplementiert werden)
- Potenzielle Unterversorgung mit Vitamin D, Calcium und Omega-3-Fettsäuren bei strikter Befolgung
- Hoher Aufwand in der Umsetzung
- Soziale Einschränkungen durch spezielle Ernährungsform
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) erkennt die gesundheitlichen Vorteile einer vollwertigen, überwiegend pflanzlichen Ernährung an, betont aber die Notwendigkeit einer ausreichenden Nährstoffversorgung, insbesondere bei Vitamin B12.
Erlaubte und verbotene Lebensmittel
Welche Lebensmittel sind bei makrobiotischer Ernährung erlaubt?
Die makrobiotische Ernährung konzentriert sich auf natürliche, unverarbeitete und saisonale Lebensmittel. Hier ist eine detaillierte Liste der erlaubten Lebensmittelgruppen:
Vollkorngetreide (50-60% der Ernährung):
- Brauner Reis (Basis der Ernährung)
- Gerste
- Hirse
- Buchweizen
- Hafer
- Vollkorn-Nudeln (ohne Ei)
- Vollkornbrot (ungesüßt)
Gemüse (20-25%):
- Grünes Blattgemüse (Grünkohl, Mangold, Pak Choi)
- Wurzelgemüse (Karotten, Rüben, Rettich)
- Rundgemüse (Kohl, Kürbis)
- Zwiebeln, Lauch
- Meeresgemüse (Algen: Nori, Kombu, Wakame, Hiziki)
Hülsenfrüchte (10-15%):
- Adzuki-Bohnen
- Kichererbsen
- Linsen (grün, braun, rot)
- Schwarze Bohnen
- Tofu (nicht frittiert)
- Tempeh
- Miso (fermentierte Sojapaste)
Gelegentlich (in kleinen Mengen):
- Nüsse und Samen (Sesam, Kürbiskerne, Mandeln)
- Regionales Obst (Äpfel, Birnen – nicht tropisch)
- Weißer Fisch (einmal pro Woche, bei nicht-strikter Form)
Getränke:
- Grüner Tee
- Gerstentee (Mugicha)
- Getreidekaffee
- Wasser
Was darf man bei makrobiotischer Ernährung nicht essen?
Die makrobiotische Ernährung schließt bestimmte Lebensmittelgruppen aus, die als unausgewogen oder gesundheitsschädlich gelten:
Strikt vermieden:
- Tierische Produkte: Fleisch, Wurst, Geflügel
- Milchprodukte: Milch, Käse, Butter, Joghurt
- Eier
- Zucker und Süßigkeiten: Raffinierter Zucker, Schokolade, Kuchen
- Nachtschattengewächse: Tomaten, Kartoffeln, Paprika, Auberginen (gelten als zu Yin)
- Tropische Früchte: Bananen, Ananas, Mango (zu expansiv/Yin)
- Verarbeitete Lebensmittel: Fertiggerichte, Fast Food, Konserven mit Zusatzstoffen
- Stimulanzien: Kaffee, schwarzer Tee, Alkohol
- Stark verarbeitete Öle: Raffinierte Pflanzenöle
Eingeschränkt:
- Tropische Gewürze (Pfeffer, Curry – bevorzugt werden Ingwer, Knoblauch)
- Große Mengen Obst (maximal 2-3 Portionen pro Woche)
- Öle und Fette (nur kaltgepresstes Sesamöl in kleinen Mengen)
Diese Einschränkungen basieren auf dem Konzept, dass extreme Yin- oder Yang-Lebensmittel das innere Gleichgewicht stören. Die Ernährung zielt darauf ab, möglichst zentrale, ausgewogene Lebensmittel zu konsumieren.
Vorteile und Risiken
Welche Vorteile hat makrobiotische Ernährung?
Die makrobiotische Ernährung bietet zahlreiche gesundheitliche Vorteile, die durch wissenschaftliche Studien belegt sind:
Für Diabetes-Patienten:
- Drastische Blutzuckersenkung: HbA1c-Reduktion von bis zu 7 Punkten in 6 Monaten
- Medikamentenreduktion: Möglichkeit, Insulin und orale Antidiabetika zu reduzieren oder abzusetzen
- Schnelle Wirkung: Erste Verbesserungen bereits nach einer Woche sichtbar
- Langfristige Kontrolle: Nachhaltige Verbesserung der glykämischen Kontrolle
Kardiovaskuläre Gesundheit:
- Cholesterin-Reduktion: LDL-Cholesterin kann um 20-48% sinken
- Triglycerid-Senkung: Reduktion um bis zu 40%
- Blutdruck-Normalisierung: Durch den niedrigen Natriumgehalt und hohen Kaliumanteil
Allgemeine Gesundheitsvorteile:
- Gewichtsreduktion: Natürliche Kalorienreduktion durch vollwertige, ballaststoffreiche Lebensmittel
- Verbesserte Darmgesundheit: Hoher Ballaststoffanteil fördert gesunde Darmbakterien
- Entzündungshemmung: Pflanzliche Antioxidantien reduzieren chronische Entzündungen
- Niedriges Krebsrisiko: Vollwertige pflanzliche Ernährung wird mit geringerem Krebsrisiko assoziiert
Nachhaltigkeit:
- Geringer ökologischer Fußabdruck durch pflanzliche Ernährung
- Fokus auf regionale und saisonale Lebensmittel
- Minimale Verarbeitung und Verpackung
Welche Nachteile hat makrobiotische Ernährung?
Trotz der beeindruckenden Vorteile gibt es auch potenzielle Risiken und Herausforderungen, die berücksichtigt werden müssen:
Nährstoffmängel:
- Vitamin B12-Mangel: Das größte Risiko bei rein pflanzlicher Ernährung. B12 ist essentiell für Nervenfunktion und Blutbildung und muss zwingend supplementiert werden.
- Vitamin D: Ohne Sonnenlichtexposition oder angereicherte Lebensmittel kann ein Mangel entstehen
- Calcium: Der Verzicht auf Milchprodukte kann zu unzureichender Calciumzufuhr führen, wenn nicht ausreichend grünes Gemüse und Sesam konsumiert werden
- Omega-3-Fettsäuren: EPA und DHA aus Fisch fehlen bei strenger Befolgung
- Eisen: Pflanzliches Eisen wird schlechter absorbiert als tierisches Häm-Eisen
Praktische Herausforderungen:
- Zeitaufwand: Zubereitung von Vollkorngetreide und frischem Gemüse erfordert mehr Zeit als Fertiggerichte
- Soziale Einschränkungen: Auswärts essen oder gesellschaftliche Anlässe können schwierig sein
- Geschmacksgewöhnung: Der Verzicht auf Zucker, Salz und intensive Gewürze erfordert Umgewöhnung
- Verfügbarkeit: Manche Zutaten (Meeresalgen, spezielle Vollkornprodukte) sind nicht überall erhältlich
Medizinische Bedenken:
- Nicht für alle geeignet: Schwangere, Stillende, Kinder und Jugendliche haben erhöhten Nährstoffbedarf und sollten die strenge Form nicht praktizieren
- Diabetes-Medikation: Blutzuckersenkende Medikamente müssen unter ärztlicher Aufsicht angepasst werden, um Hypoglykämien zu vermeiden
- Untergewicht: Bei bereits niedrigem Körpergewicht kann weitere Gewichtsabnahme problematisch sein
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt bei makrobiotischer Ernährung eine regelmäßige ärztliche Kontrolle der Blutwerte, insbesondere bei Vitamin B12, Vitamin D, Eisen und Calcium.
Brauche ich Nahrungsergänzungsmittel bei makrobiotischer Ernährung?
Bei einer gut geplanten makrobiotischen Ernährung sind nur wenige Nahrungsergänzungsmittel absolut notwendig, andere können sinnvoll sein:
Unbedingt erforderlich:
- Vitamin B12: 250-500 μg täglich oder 2500 μg wöchentlich (Methylcobalamin oder Cyanocobalamin)
Sehr empfehlenswert:
- Vitamin D: 1000-2000 IE täglich, besonders in Wintermonaten (Blutwerte kontrollieren lassen)
- Omega-3 (DHA/EPA): 250 mg DHA täglich aus Algenöl, wenn kein Fisch konsumiert wird
Bei Bedarf (Blutwerte checken):
- Eisen: Nur bei diagnostiziertem Mangel, Aufnahme durch Vitamin C-reiche Lebensmittel verbessern
- Calcium: 500-1000 mg täglich, wenn nicht genug grünes Gemüse, Tofu und Sesam konsumiert werden
- Jod: Durch Meeresalgen meist ausreichend gedeckt, aber regelmäßige Kontrolle sinnvoll
- Zink: Bei nachgewiesenem Mangel
Wichtig ist eine regelmäßige ärztliche Kontrolle der Blutwerte (empfohlen: alle 6-12 Monate), um Mängel frühzeitig zu erkennen und gezielt zu supplementieren.
Für wen ist makrobiotische Ernährung geeignet?
Makrobiotische Ernährung kann für verschiedene Personengruppen sinnvoll sein, erfordert aber individuelle Anpassung:
Besonders geeignet für:
- Typ-2-Diabetes-Patienten: Die stärkste Evidenz liegt für diese Gruppe vor
- Menschen mit Übergewicht: Natürliche Gewichtsreduktion ohne Kalorienzählen
- Personen mit erhöhtem Cholesterin: Deutliche Lipidsenkung möglich
- Menschen mit Bluthochdruck: Durch niedrigen Salzgehalt und hohen Kaliumanteil
- Gesundheitsbewusste Erwachsene: Als präventive Ernährungsform
Mit ärztlicher Begleitung möglich:
- Typ-1-Diabetes-Patienten: Insulindosis muss sorgfältig angepasst werden
- Menschen mit Nierenproblemen: Hoher Kaliumgehalt muss berücksichtigt werden
- Personen mit Verdauungsproblemen: Hoher Ballaststoffanteil kann anfangs Beschwerden verursachen
Nicht geeignet oder nur in modifizierter Form:
- Schwangere und Stillende: Erhöhter Nährstoffbedarf, Risiko für Mängel
- Säuglinge, Kinder und Jugendliche: Wachstum erfordert höhere Nährstoffdichte
- Personen mit Untergewicht oder Essstörungen: Risiko für weitere Mangelernährung
- Menschen mit akuten schweren Erkrankungen: Erhöhter Protein- und Energiebedarf
Generell gilt: Eine Umstellung auf makrobiotische Ernährung sollte bei bestehenden Erkrankungen oder unter Medikamenteneinnahme immer in Absprache mit einem Arzt oder qualifizierten Ernährungsberater erfolgen.
Praktische Umsetzung im Alltag
Die Umstellung auf makrobiotische Ernährung erfordert anfangs etwas Planung und Vorbereitung, wird aber mit der Zeit zur Routine. Hier sind praktische Tipps für den Einstieg:
Schrittweise Umstellung:
- Woche 1-2: Ersetze weißen Reis durch braunen Reis, Weißbrot durch Vollkornbrot
- Woche 3-4: Integriere täglich eine Portion Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen)
- Woche 5-6: Reduziere tierische Produkte schrittweise
- Woche 7-8: Experimentiere mit Meeresalgen und fermentierten Sojaprodukten
- Ab Woche 9: Vollständige Umstellung auf makrobiotische Ernährung
Basis-Ausstattung für die Küche:
- Reiskocher oder Schnellkochtopf (für Vollkorngetreide)
- Dämpfeinsatz für Gemüse
- Hochwertige Messer für Gemüseschnitt
- Vorratsdosen für Getreide, Hülsenfrüchte, Algen
Wocheneinkauf – Essentials:
- Brauner Reis (5 kg für 2 Personen)
- Gerste, Hirse, Buchweizen
- Verschiedene Hülsenfrüchte
- Saisonales Gemüse (mindestens 5 verschiedene Sorten)
- Meeresalgen (Nori, Kombu, Wakame)
- Tofu, Tempeh, Miso-Paste
- Sesamöl, Sesamsamen
- Grüner Tee
Meal Prep Tipps:
- Vollkorngetreide für 2-3 Tage vorkochen und im Kühlschrank lagern
- Hülsenfrüchte in größeren Mengen kochen und portionsweise einfrieren
- Gemüse vorschneiden und in verschlossenen Behältern aufbewahren
- Miso-Suppe als Basis vorbereiten und täglich frisches Gemüse hinzufügen
Auswärts essen:
- Japanische Restaurants: Miso-Suppe, Sushi mit Gemüse, Edamame
- Asiatische Restaurants: Reis mit gedämpftem Gemüse, Tofu-Gerichte
- Italienische Restaurants: Vollkorn-Pasta mit Gemüse (ohne Käse)
- Im Zweifel: Salat mit Kichererbsen oder Bohnen, Brot separat bestellen
Häufige Anfängerfehler vermeiden:
- Zu schnelle Umstellung: Kann zu Verdauungsbeschwerden führen
- Zu wenig Abwechslung: Verschiedene Getreide und Gemüse nutzen
- Kein B12-Supplement: Von Anfang an supplementieren!
- Zu wenig Kalorien: Vollkorngetreide liefert Energie, ausreichende Mengen essen
- Keine ärztliche Begleitung: Bei Diabetes unbedingt Medikation anpassen lassen
Für Diabetes-Patienten besonders wichtig:
- Blutzucker engmaschig kontrollieren (anfangs mehrmals täglich)
- Medikation in Absprache mit dem Arzt anpassen
- Bei Hypoglykämie-Symptomen sofort reagieren
- HbA1c nach 3 und 6 Monaten kontrollieren lassen
- Ernährungsumstellung als Ergänzung, nicht als Ersatz für ärztliche Behandlung verstehen
Häufige Fragen
Kann ich mit makrobiotischer Ernährung wirklich Insulin absetzen?
In der wissenschaftlichen Studie konnten 100% der Teilnehmer nach 6 Monaten makrobiotischer Ma-Pi 2 Diät ihr Insulin vollständig absetzen. Allerdings waren dies kontrollierte Studienbedingungen mit enger medizinischer Überwachung. Ob und wann du Insulin reduzieren oder absetzen kannst, hängt von vielen individuellen Faktoren ab: Schweregrad des Diabetes, Dauer der Erkrankung, Insulinsensitivität und Compliance bei der Ernährungsumstellung. Eine Insulinreduktion darf NIEMALS ohne ärztliche Begleitung erfolgen, da das Risiko für gefährliche Über- oder Unterzuckerungen besteht.
Ist makrobiotische Ernährung besser als Low-Carb bei Diabetes?
Die Studien zur makrobiotischen Ma-Pi 2 Diät zeigen beeindruckende Ergebnisse trotz hohem Kohlenhydratanteil (72%). Dies widerlegt die Annahme, dass Kohlenhydrate per se schlecht für Diabetiker sind. Entscheidend ist die Qualität der Kohlenhydrate: Vollkorngetreide mit niedrigem glykämischen Index, hohem Ballaststoffanteil und ohne Zusätze führen zu stabilen Blutzuckerwerten. Low-Carb-Diäten können ebenfalls effektiv sein, haben aber oft Probleme mit der Langzeit-Compliance und können das Cholesterin erhöhen. Die makrobiotische Ernährung bietet den Vorteil, dass sie nachhaltig umsetzbar ist und gleichzeitig kardiovaskuläre Risikofaktoren verbessert.
Wie lange dauert es, bis sich meine Blutzuckerwerte verbessern?
In den Studien zeigten sich erste Verbesserungen bereits nach 7 Tagen: Die Nüchtern-Blutzuckerwerte sanken von durchschnittlich 129 mg/dl auf 95 mg/dl. Nach 3 Wochen waren die meisten Parameter deutlich besser, und nach 6 Monaten erreichten die Teilnehmer nicht-diabetische HbA1c-Werte. Wichtig: Diese Ergebnisse stammen aus Studien mit strikter Einhaltung der Diät. Individuelle Ergebnisse können variieren je nach Ausgangssituation, Genetik und Konsequenz bei der Umsetzung.
Muss ich komplett auf Fleisch und Milchprodukte verzichten?
Die Ma-Pi 2 Diät, die in den Diabetes-Studien verwendet wurde, ist streng pflanzlich und enthält keine tierischen Produkte. Für die beobachteten Effekte scheint dieser vollständige Verzicht wichtig zu sein. Es gibt auch weniger strenge Formen der makrobiotischen Ernährung, die gelegentlich Fisch erlauben. Allerdings wurden diese nicht speziell bei Diabetes untersucht. Wenn du die in den Studien gezeigten Ergebnisse erreichen möchtest, ist der vollständige Verzicht auf tierische Produkte empfehlenswert – mit entsprechender Supplementierung von Vitamin B12.
Kann ich makrobiotische Ernährung mit Metformin kombinieren?
Ja, makrobiotische Ernährung kann problemlos mit Metformin kombiniert werden. Tatsächlich ist dies in der Anfangsphase sogar sinnvoll. Metformin wirkt synergistisch mit der Ernährung, da es ebenfalls die Insulinsensitivität verbessert. In den Studien nahmen viele Teilnehmer anfangs noch Metformin, konnten die Dosis aber im Verlauf reduzieren oder absetzen. Wichtig ist eine engmaschige Blutzuckerkontrolle, um eine Unterzuckerung durch die kombinierte Wirkung zu vermeiden. Besprich mit deinem Arzt, wann und wie schnell die Medikation angepasst werden kann.
Ist makrobiotische Ernährung teuer?
Makrobiotische Ernährung muss nicht teuer sein. Die Basis – Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte und saisonales Gemüse – ist relativ günstig. Brauner Reis, Gerste und Linsen kosten deutlich weniger als Fleisch, Käse oder Fertiggerichte. Etwas teurer können spezielle Zutaten wie Meeresalgen, Bio-Tofu oder hochwertiges Sesamöl sein, diese werden aber nur in kleinen Mengen benötigt. Insgesamt liegen die Lebensmittelkosten meist niedriger als bei einer Standard-Ernährung mit tierischen Produkten. Der größte Kostenfaktor ist Zeit, nicht Geld.
Bekomme ich genug Protein bei makrobiotischer Ernährung?
Ja, bei richtiger Planung ist die Proteinversorgung ausreichend. Die Kombination aus Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten liefert alle essentiellen Aminosäuren in ausreichender Menge. Ein typischer makrobiotischer Tag mit 60% Getreide und 10-15% Hülsenfrüchten deckt den Proteinbedarf eines Erwachsenen (0,8 g pro kg Körpergewicht). Quinoa, Buchweizen, Tofu und Tempeh sind besonders proteinreich. Entscheidend ist die Kombination verschiedener pflanzlicher Proteinquellen über den Tag verteilt. Für Sportler oder bei erhöhtem Bedarf kann der Hülsenfruchtanteil erhöht werden.
Was mache ich bei Heißhunger auf Süßes?
Heißhunger auf Süßes ist in den ersten Wochen normal, da der Körper sich vom Zucker entwöhnt. Langfristig reguliert sich der Blutzuckerspiegel durch die makrobiotische Ernährung so, dass Heißhunger-Attacken seltener werden. In der Übergangsphase helfen: getrocknete Früchte in kleinen Mengen, süße Gemüsesorten wie Kürbis oder Karotten, Reissirup als gelegentliche Alternative zu Zucker, oder Amazake (fermentierter Reisdrink mit natürlicher Süße). Wichtig ist, ausreichend Vollkorngetreide zu essen – diese stabilisieren den Blutzucker und reduzieren Heißhunger.
Kann ich die Ernährung auch als Typ-1-Diabetiker umsetzen?
Typ-1-Diabetiker können prinzipiell von makrobiotischer Ernährung profitieren, allerdings sind die Studien primär an Typ-2-Diabetikern durchgeführt worden. Bei Typ-1-Diabetes ist die Insulinproduktion komplett ausgefallen, daher muss immer Insulin zugeführt werden. Die makrobiotische Ernährung kann aber helfen, den Insulinbedarf zu senken und die Blutzuckerwerte zu stabilisieren. Durch die gleichmäßige Kohlenhydratzufuhr aus Vollkorngetreide sind Blutzuckerschwankungen geringer. Wichtig ist eine sehr engmaschige Blutzuckerkontrolle und Anpassung der Insulindosis durch einen erfahrenen Diabetologen.
Wo finde ich makrobiotische Lebensmittel?
Die meisten Zutaten findest du in gut sortierten Supermärkten: Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, frisches Gemüse und Tofu sind weit verbreitet. Für spezielle Zutaten wie Meeresalgen, Miso-Paste, Tempeh oder Bio-Vollkornprodukte eignen sich Bioläden, Asia-Shops oder Online-Händler. Meeresalgen (Nori, Kombu, Wakame) gibt es in jedem Asia-Shop zu günstigen Preisen. Auch Online-Shops wie Amazon, Reishunger oder spezialisierte makrobiotische Händler bieten das komplette Sortiment. Mit der Zeit findest du deine bevorzugten Bezugsquellen und die Beschaffung wird zur Routine.
Wissenschaftliche Quellen
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