SONNTAG, 30. NOVEMBER 2025
Heilfasten: Frau mit Wecker und gesundem Gemüse zeigt Fastenzeit und pflanzliche Ernährung

Heilfasten bei Kopfschmerzen & Migräne

Stellen Sie sich vor, Sie leiden seit 16 Jahren unter unerträglichen, chronischen Kopfschmerzen nach einer traumatischen Hirnverletzung. Medikament nach Medikament versagt. Die Ärzte sprechen bereits von einer Nervendurchtrennung als letzter Option. Dann versuchen Sie Heilfasten kombiniert mit pflanzlicher Ernährung – und nach Monaten sind Ihre Kopfschmerzen mild, kurz und selten. Diese bemerkenswerte Fallgeschichte aus dem TrueNorth Health Center in Kalifornien wirft wichtige Fragen auf: Kann therapeutisches Fasten tatsächlich bei chronischen Kopfschmerzen helfen? Und welche Rolle spielt dabei die Ernährung nach dem Fasten?

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Heilfasten sind komplex und teilweise überraschend. Während Fasten in der öffentlichen Wahrnehmung oft als Allheilmittel gilt, zeigt die Forschung ein differenziertes Bild: Fasten kann Kopfschmerzen auslösen, aber unter bestimmten Bedingungen auch langfristig lindern. Der entscheidende Unterschied liegt in der Methode, der Dauer und vor allem in der Ernährung danach.

Wichtigste Erkenntnisse

  • Fasten triggert Kopfschmerzen häufig: Bei fast einem Drittel der Fastenden am TrueNorth Health Center traten Kopfschmerzen als Nebenwirkung auf. Ausgelassene Mahlzeiten gehören zu den häufigsten Kopfschmerz-Auslösern.
  • Fallstudie zeigt dramatische Linderung: Eine 52-jährige Frau mit 16 Jahren chronischen post-traumatischen Kopfschmerzen erzielte langfristige Linderung nach Wasserfasten und rein pflanzlicher Ernährung ohne Zucker, Öl und Salz.
  • Schmerzintensität halbiert: Nach dem ersten Fasten halbierte sich die Schmerzintensität. Nach einem zweiten Fasten sechs Monate später wurden die Kopfschmerzen mild, kurz (unter 10 Minuten) und selten.
  • Millionen Betroffene: Über 1 Million Amerikaner erleiden jährlich traumatische Schädel-Hirn-Verletzungen, drei Viertel leiden unter chronischen Schmerzen – mit begrenzten Behandlungsoptionen.
  • Schwierige Trennung der Effekte: Es ist schwer zu unterscheiden zwischen den Effekten des Fastens und den Effekten der vollwertigen pflanzlichen Ernährung in den Folgejahren.
  • Arachidonsäure schmerzfördernd: Lebensmittel mit hoher Arachidonsäure (Fleisch, Milchprodukte, Eier) können schmerzfördernd wirken. Pflanzliche Ernährung senkt Arachidonsäure und entzündungsfördernde Verbindungen.
  • Randomisierte Studie bestätigt: Migräne-Patienten zeigten bei pflanzlicher Ernährung signifikante Verbesserungen bei Kopfschmerzhäufigkeit, Schmerzintensität und Schmerzmittel-Bedarf.
  • Teilnehmer wollten nicht zurück: Viele Studienteilnehmer fühlten sich durch pflanzliche Ernährung so viel besser, dass sie sich weigerten zur normalen Ernährung zurückzukehren – sie sagten „No way, José“.
  • Autophagie aktiviert: Nach etwa 16 bis 24 Stunden ohne Nahrungsaufnahme aktiviert sich die Autophagie – ein zellulärer Selbstreinigungsprozess, der Entzündungen reduzieren kann.
  • Buchinger-Methode am bekanntesten: Das von Otto Buchinger in den 1920er Jahren entwickelte Heilfasten mit 250-500 kcal täglich aus Gemüsebrühe, Säften und Tees ist die verbreitetste Form.
  • Drei-Phasen-Konzept essentiell: Heilfasten erfordert Entlastungstage (1-2 Tage), Fastentage (5-7 Tage) und Aufbautage (3-5 Tage) – die Aufbauphase ist genauso wichtig wie das Fasten selbst.
  • Nur 1-2x jährlich empfohlen: Therapeutisches Heilfasten ist nicht als dauerhafte Praxis gedacht, sondern als intensive therapeutische Intervention mit anschließender Ernährungsumstellung.

Was ist Heilfasten?

Heilfasten bezeichnet den freiwilligen, zeitlich begrenzten Verzicht auf feste Nahrung aus therapeutischen Gründen. Anders als beim Intervallfasten, das täglich praktiziert wird, handelt es sich beim klassischen Heilfasten um eine mehrtägige Kur, typischerweise 5 bis 7 Fastentage.

Die bekannteste Form ist das Buchinger-Heilfasten, entwickelt von Otto Buchinger in den 1920er Jahren. Dabei sind pro Tag 250 bis 500 Kalorien in Form von Gemüsebrühe, frisch gepressten Säften und Kräutertees erlaubt. Eine strengere Variante ist das Wasserfasten, bei dem ausschließlich Wasser konsumiert wird – null Kalorien.

Das TrueNorth Health Center in Kalifornien, wo der eingangs erwähnte Fall dokumentiert wurde, praktiziert ärztlich überwachtes Wasserfasten. In einer Auswertung von mehreren hundert Fastenkuren zeigte sich: Bei fast einem Drittel der Fastenden traten Kopfschmerzen als Nebenwirkung auf. Ausgelassene Mahlzeiten gehören tatsächlich zu den häufigsten Auslösern von Kopfschmerzen und Migräne.

Wie kann Fasten dann überhaupt bei chronischen Kopfschmerzen helfen? Der Schlüssel liegt möglicherweise nicht im Fasten allein, sondern in der Kombination mit einer dauerhaften Ernährungsumstellung danach.

Heilfasten bei chronischen Kopfschmerzen: Die Fallstudie

Die vom TrueNorth Health Center veröffentlichte Fallstudie beschreibt eine 52-jährige Frau mit chronischen post-traumatischen Kopfschmerzen. Nach einer traumatischen Hirnverletzung litt sie 16 Jahre lang unter ununterbrochenen Schmerzen – jeden einzelnen Tag, rund um die Uhr.

Die Patientin hatte bereits eine lange Liste von Medikamenten erfolglos durchprobiert. Ihre Lebensqualität war massiv eingeschränkt. Als konventionelle Therapien versagten, versuchte sie einen radikalen Ansatz: medizinisch überwachtes Wasserfasten gefolgt von einer ausschließlich pflanzlichen Ernährung, frei von zugesetztem Zucker, Öl und Salz.

Die Ergebnisse waren bemerkenswert: Nach dem ersten Fasten halbierte sich die Schmerzintensität. Zwar hatte sie weiterhin täglich Kopfschmerzen, aber es gab erstmals schmerzfreie Perioden. Nach einem zweiten Fasten sechs Monate später verbesserte sich ihr Zustand dramatisch: Die Kopfschmerzen wurden mild, dauerten unter 10 Minuten und traten nur noch selten auf. Dieser Zustand hielt Monate und Jahre später an.

Über 1 Million Amerikaner erleiden jährlich traumatische Schädel-Hirn-Verletzungen, schätzt die CDC (Centers for Disease Control). Etwa drei Viertel der Betroffenen entwickeln chronische Schmerzen. Bei dieser hochgradig einschränkenden und schwer zu behandelnden Erkrankung sind die gängigen Optionen begrenzt: Medikamente mit mäßiger Wirksamkeit oder chirurgische Eingriffe wie die Durchtrennung der Nerven zum Kopf.

Die Frage ist: War es das Fasten selbst oder die pflanzliche Ernährung danach, die zur Linderung führte?

Die Rolle der pflanzlichen Ernährung

Die Trennung der Effekte von Fasten und Ernährung ist schwierig, da die Patientin nach dem Fasten konsequent bei der pflanzlichen Ernährung blieb. Die Forschung legt nahe, dass beide Faktoren eine Rolle spielen könnten.

Neben schmerzlindernden Medikamenten (Analgesics) gibt es auch schmerzfördernde Nahrungsbestandteile (Pro-Algesics). Besonders problematisch ist Arachidonsäure, eine mehrfach ungesättigte Omega-6-Fettsäure, die vor allem in tierischen Produkten vorkommt: Fleisch, Milchprodukte und Eier.

Aus Arachidonsäure bildet der Körper eine Reihe von entzündungsfördernden Verbindungen, sogenannte Eicosanoide. Diese Botenstoffe können Entzündungsreaktionen verstärken und Schmerzempfindlichkeit erhöhen. Durch eine pflanzliche Ernährung wird die Zufuhr von Arachidonsäure drastisch reduziert.

Gleichzeitig sind pflanzliche Lebensmittel reich an antientzündlichen Komponenten: Antioxidantien, Polyphenole, Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren aus Leinsamen, Walnüssen und Chiasamen. Diese Substanzen können Entzündungsprozesse dämpfen und möglicherweise zur Schmerzlinderung beitragen.

Die Hypothese lautet also: Mehr pflanzliche Lebensmittel und weniger tierische Produkte können bei Kopfschmerzen helfen. Aber stimmt das auch in kontrollierten Studien?

Wissenschaftliche Studien zu pflanzlicher Ernährung und Migräne

Forscher führten eine randomisierte, kontrollierte Crossover-Studie mit Migräne-Patienten durch. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: Eine Gruppe erhielt eine strikt pflanzliche Ernährung, die andere ein Placebo-Präparat. Nach einer Testphase wechselten die Gruppen.

Die Ergebnisse waren eindeutig: Während der Placebo-Phase berichtete die Hälfte der Teilnehmer von Verbesserungen, die andere Hälfte von gleich bleibenden oder schlechter werdenden Beschwerden. Während der pflanzlichen Ernährungsphase hingegen verbesserten sich fast alle Teilnehmer.

Die Verbesserungen waren signifikant in mehreren Bereichen:

  • Reduzierte Anzahl der Kopfschmerzen
  • Geringere Schmerzintensität
  • Weniger Tage mit Kopfschmerzen
  • Reduzierter Bedarf an Schmerzmitteln

Ein unerwartetes Problem trat auf: Viele Teilnehmer weigerten sich, die Studie wie geplant abzuschließen. Sie sollten nach der pflanzlichen Phase zu ihrer normalen Ernährung zurückkehren und stattdessen eine Pille einnehmen. Doch sie fühlten sich so viel besser, dass sie kategorisch ablehnten: „No way, José.“

Dieses Phänomen wurde auch in anderen Studien zu pflanzlichen Ernährungsformen beobachtet. Menschen, die die gesundheitlichen Vorteile am eigenen Körper erfahren, sind oft nicht bereit, zu ihrer vorherigen Ernährung zurückzukehren – selbst wenn es die wissenschaftliche Methodik erfordert. Pflanzliche Ernährung kann manchmal zu gut funktionieren, um sie aufzugeben.

Arachidonsäure: Schmerzfördernde Lebensmittel meiden

Arachidonsäure ist in folgenden Lebensmitteln besonders hoch konzentriert:

  • Schweinefleisch, Rindfleisch, Geflügel
  • Eier (besonders Eigelb)
  • Milchprodukte (Käse, Butter, Sahne)
  • Innereien
  • Fisch und Meeresfrüchte (in geringerem Maße)

Pflanzliche Lebensmittel enthalten praktisch keine Arachidonsäure. Die entzündungshemmende Wirkung einer pflanzlichen Ernährung beruht auf mehreren Mechanismen:

  • Reduktion von Arachidonsäure: Weniger Ausgangsmaterial für entzündungsfördernde Botenstoffe
  • Antioxidantien: Neutralisieren freie Radikale und reduzieren oxidativen Stress
  • Ballaststoffe: Fördern eine gesunde Darmflora, die Entzündungen systemisch beeinflussen kann
  • Omega-3-Fettsäuren: Pflanzliche ALA (Alpha-Linolensäure) wirkt entzündungshemmend

Bei chronischen Schmerzerkrankungen wie Migräne, rheumatoider Arthritis oder post-traumatischen Kopfschmerzen könnte die Reduktion von Arachidonsäure durch pflanzliche Ernährung einen therapeutischen Nutzen haben.

Nebenwirkungen und Risiken beim Heilfasten

Heilfasten ist nicht frei von Nebenwirkungen. Die TrueNorth-Auswertung zeigt, dass bei fast einem Drittel der Fastenden Kopfschmerzen auftreten – eine sogenannte Fastenkrise, die typischerweise am zweiten oder dritten Tag einsetzt.

Weitere häufige Nebenwirkungen:

  • Kreislaufprobleme und Schwindel
  • Müdigkeit und Energielosigkeit
  • Frieren und Kältegefühl
  • Mundgeruch (durch Ketose)
  • Schlafstörungen
  • Reizbarkeit

Tatsächlich gehören ausgelassene Mahlzeiten zu den am häufigsten identifizierten Auslösern von Kopfschmerzen. Eine unveröffentlichte und unkontrollierte Studie behauptete zwar positive Effekte von Fasten auf Migräne, aber die wissenschaftliche Evidenz zeigt eher das Gegenteil: Fasten triggert Migräne häufiger, als dass es hilft.

Deshalb ist die Begleitung durch medizinisches Fachpersonal beim therapeutischen Fasten unerlässlich. Kontraindikationen für Heilfasten umfassen:

  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Essstörungen oder Risiko dafür
  • Starkes Untergewicht
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Typ-1-Diabetes
  • Fortgeschrittene Niereninsuffizienz

Die im Fallbericht beschriebene Patientin fastete unter medizinischer Aufsicht im TrueNorth Health Center. Selbstversuche ohne ärztliche Überwachung bei chronischen Erkrankungen sind nicht empfehlenswert.

Autophagie: Was passiert beim Fasten im Körper?

Einer der wichtigsten Mechanismen des Heilfastens ist die Autophagie – ein zellulärer „Selbstreinigungsprozess“. Der Begriff stammt aus dem Griechischen: „auto“ (selbst) und „phagein“ (essen).

Bei Autophagie bauen Zellen beschädigte oder nicht mehr benötigte Bestandteile ab und recyceln sie. Dieser Prozess läuft immer in geringem Maße ab, wird aber durch Fasten massiv verstärkt. Nach etwa 16 bis 24 Stunden ohne Nahrungsaufnahme aktiviert sich die Autophagie deutlich.

Die gesundheitlichen Effekte umfassen:

  • Entfernung dysfunktionaler Zellbestandteile
  • Reduktion von Entzündungsmarkern
  • Verbesserung der Insulinsensitivität
  • Blutdrucksenkung
  • Gewichtsverlust
  • Mögliche neuroprotektive Effekte

Der japanische Wissenschaftler Yoshinori Ohsumi erhielt 2016 den Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung der molekularen Mechanismen der Autophagie. Seine Forschung zeigte, wie Störungen dieses Prozesses mit verschiedenen Krankheiten zusammenhängen: Krebs, neurodegenerativen Erkrankungen, Infektionen und Stoffwechselstörungen.

Bei chronischen Kopfschmerzen könnte Autophagie durch die Reduktion von Entzündungsprozessen im Nervensystem zur Linderung beitragen. Allerdings ist die direkte Evidenz für diesen Zusammenhang beim Menschen noch begrenzt.

Praktische Anwendung: Wie funktioniert Heilfasten?

Klassisches Heilfasten nach Buchinger gliedert sich in drei Phasen:

1. Entlastungstage (1-2 Tage)
Reduktion auf leichte, pflanzliche Kost. Vorbereitung des Körpers auf das Fasten. Typisch sind Reis, gedünstetes Gemüse, Obst.

2. Fastentage (5-7 Tage typisch)
Beim Buchinger-Fasten: 250-500 kcal pro Tag aus Gemüsebrühe, Säften, Tees, eventuell etwas Honig.
Beim Wasserfasten: Ausschließlich Wasser, null Kalorien.

Wichtig: Darmentleerung zu Beginn, meist mit Glaubersalz oder Einlauf. Dies dient nicht der „Entgiftung“ (ein wissenschaftlich nicht haltbarer Begriff), sondern verhindert, dass Verdauungsbeschwerden das Fasten belasten.

3. Aufbautage (3-5 Tage)
Langsamer Übergang zur Normalernährung. Der erste Bissen fester Nahrung wird als „Fastenbrechen“ bezeichnet und traditionell zelebriert – oft mit einem Apfel.

Die Aufbauphase ist genauso wichtig wie das Fasten selbst. Ein zu schneller Übergang zu schwerer Kost kann Verdauungsprobleme verursachen.

Empfohlene Häufigkeit:
Therapeutisches Heilfasten wird typischerweise 1 bis 2 Mal pro Jahr durchgeführt. Es ist nicht als dauerhafte Ernährungsform gedacht.

Im Fall der 52-jährigen Patientin mit post-traumatischen Kopfschmerzen wurde Wasserfasten praktiziert, gefolgt von einer dauerhaften Umstellung auf vollwertige pflanzliche Ernährung ohne zugesetzten Zucker, Öl oder Salz. Die langfristige Linderung trat erst nach dem zweiten Fasten sechs Monate später ein.

Häufig gestellte Fragen

Wer hat das Heilfasten erfunden?

Otto Buchinger (1878-1966), ein deutscher Arzt, gilt als Begründer des modernen Heilfastens. Nachdem er selbst durch Fasten von einem schweren rheumatischen Leiden geheilt wurde, entwickelte er in den 1920er Jahren die nach ihm benannte Buchinger-Methode. Seine Fastenkliniken in Deutschland existieren bis heute und werden von der Familie in vierter Generation geführt.

Heilfasten wann abführen?

Die Darmentleerung erfolgt zu Beginn des Heilfastens, typischerweise am ersten Fastentag oder am letzten Entlastungstag. Verwendet wird meist Glaubersalz (Natriumsulfat) in Wasser aufgelöst oder ein Einlauf. Die Darmreinigung sollte nicht während der gesamten Fastenzeit täglich wiederholt werden, sondern nur zu Beginn und gegebenenfalls nach 3-4 Tagen einmalig.

Warum Heilfasten?

Heilfasten wird aus verschiedenen Gründen praktiziert: zur Behandlung chronischer Entzündungserkrankungen (Rheuma, Arthritis), bei metabolischem Syndrom und Bluthochdruck, zur Gewichtsreduktion als Einstieg in eine Ernährungsumstellung, bei Migräne und chronischen Kopfschmerzen sowie zur „Auszeit“ und psychosomatischen Neuorientierung. Die wissenschaftliche Evidenz ist für einige Indikationen stärker als für andere. Am besten untersucht sind Effekte auf Blutdruck, Entzündungsmarker und Gewicht.

Heilfasten was ist erlaubt?

Beim klassischen Buchinger-Heilfasten sind erlaubt: Gemüsebrühe (selbst gekocht, ohne Salz), frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte (verdünnt), Kräutertee und grüner Tee, stilles Wasser (mindestens 2-3 Liter täglich) und Honig in kleinen Mengen (1-2 Teelöffel). Nicht erlaubt sind: feste Nahrung, Kaffee, Alkohol, Nikotin, künstliche Süßstoffe und die meisten Medikamente (Rücksprache mit Arzt erforderlich). Beim strengen Wasserfasten ist ausschließlich Wasser erlaubt.

Heilfasten was passiert im Körper?

Nach 12-16 Stunden ohne Nahrung sind die Glykogenspeicher der Leber erschöpft. Der Körper wechselt von Glukose- auf Fettstoffwechsel (Ketose). Nach 16-24 Stunden aktiviert sich die Autophagie verstärkt – Zellen bauen beschädigte Bestandteile ab. Entzündungsmarker im Blut sinken, der Insulinspiegel fällt, und die Insulinsensitivität verbessert sich. Der Blutdruck sinkt bei vielen Menschen. Ketone werden als alternative Energiequelle fürs Gehirn gebildet. Nach mehreren Tagen können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Kreislaufprobleme auftreten.

Heilfasten was ist das?

Heilfasten ist der freiwillige, zeitlich begrenzte Verzicht auf feste Nahrung zu therapeutischen Zwecken unter ärztlicher Begleitung. Anders als beim religiösen Fasten oder Intervallfasten handelt es sich um eine mehrtägige Kur (typisch 5-7 Tage) mit medizinischer Zielsetzung. Die bekannteste Form ist das Buchinger-Heilfasten mit 250-500 kcal täglich aus Säften und Brühe. Heilfasten ist Teil der integrativen Medizin und wird in spezialisierten Kliniken praktiziert.

Heilfasten welche Säfte?

Beim Buchinger-Heilfasten werden frisch gepresste Säfte empfohlen: Orangensaft, Grapefruitsaft (Vorsicht bei Medikamenten), Apfelsaft, Karottensaft, Rote-Bete-Saft (stark verdünnt) und Sauerkrautsaft. Die Säfte sollten immer verdünnt werden (1:1 mit Wasser) und über den Tag verteilt getrunken werden. Industriell hergestellte Säfte mit Zuckerzusatz sind nicht geeignet. Pro Tag werden etwa 250-500 ml Saft empfohlen, verteilt auf 2-3 Portionen.

Heilfasten welcher Tag ist der schlimmste?

Der zweite bis dritte Fastentag gilt als kritischste Phase – die sogenannte Fastenkrise. Zu diesem Zeitpunkt sind die Glykogenspeicher vollständig erschöpft, der Körper stellt auf Ketose um, und viele Menschen erleben Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit, Kreislaufprobleme und Konzentrationsschwierigkeiten. Nach Tag 3 bis 4 berichten viele Fastende von einer deutlichen Besserung: mehr Energie, mentale Klarheit und ein Gefühl der Leichtigkeit. Nicht alle erleben eine Fastenkrise – individuelle Unterschiede sind groß.

Wie Heilfasten?

Heilfasten sollte strukturiert ablaufen: 1-2 Entlastungstage mit leichter Kost zur Vorbereitung, Darmentleerung am ersten Fastentag mit Glaubersalz oder Einlauf, 5-7 Fastentage mit ausreichend Flüssigkeit (Wasser, Tee, Brühe, Säfte), tägliche Bewegung an frischer Luft, Ruhephasen und Entspannung, 3-5 Aufbautage mit langsamer Rückkehr zur Normalkost. Wichtig: Erstmaliges Heilfasten sollte unter fachlicher Anleitung erfolgen – in einer Fastenklinik oder mit einem Fastenleiter.

Heilfasten wie lange?

Die typische Dauer beim Buchinger-Heilfasten beträgt 5 bis 7 Fastentage, plus 1-2 Entlastungstage davor und 3-5 Aufbautage danach. Die Gesamtdauer der Kur beläuft sich also auf etwa 10-14 Tage. Kürzere Fastenperioden (3-4 Tage) sind möglich, aber weniger intensiv in der Wirkung. Längere Fastenzeiten (bis zu 3-4 Wochen) werden nur in spezialisierten Kliniken unter engmaschiger ärztlicher Kontrolle durchgeführt. Beim ersten Mal wird meist eine kürzere Dauer von 5-7 Tagen empfohlen.

Heilfasten wie oft im Jahr?

Therapeutisches Heilfasten wird typischerweise 1 bis 2 Mal pro Jahr praktiziert. Häufiger ist nicht notwendig und könnte bei manchen Menschen zu Problemen führen. Viele Fastenerfahrene fasten jährlich einmal im Frühjahr oder Herbst für 7-10 Tage. Heilfasten ist nicht als dauerhafte oder regelmäßig wiederholte Praxis gedacht (dafür ist Intervallfasten besser geeignet), sondern als intensive therapeutische Intervention mit anschließender Ernährungsumstellung.