Was, wenn du deine Haut widerstandsfähiger gegen die Sonne machen könntest – ganz ohne dich von oben bis unten mit Sonnencreme einzucremen? Genau das ist bis zu einem gewissen Grad möglich. Bestimmte Pflanzenstoffe lagern sich in der Haut ein und schützen sie von innen. Was Carotinoide und Co. wirklich leisten und warum sie Sonnencreme trotzdem nicht ersetzen.
Das Wichtigste in Kürze
- UVB-Strahlung schädigt die obere Hautschicht und die DNA, UVA dringt tiefer ein und beschleunigt die Hautalterung.
- Sonne hat auch gute Seiten: Sie ist entscheidend für die körpereigene Vitamin-D-Produktion.
- Carotinoide wie Astaxanthin, Betacarotin und Lycopin lagern sich in der Haut ein und schützen sie von innen.
- In Studien stieg die UV-Toleranz der Haut messbar – Kakao-Flavanole senkten die UV-bedingte Hautrötung nach zwölf Wochen um 25 Prozent.
- Der Schutz von innen ersetzt keine Sonnencreme, sondern ergänzt sie.
Was Sonne mit der Haut macht
Man unterscheidet UVA- und UVB-Strahlung. UVB wirkt vor allem in der obersten Hautschicht und kann die DNA in den Hautzellen direkt schädigen – der Körper reagiert mit einer Entzündung, dem Sonnenbrand. Wiederholte, starke Sonnenbrände erhöhen das Risiko für Hautkrebs. UVA dringt tiefer ein und wirkt indirekt über freie Radikale, die Zellmembranen, Proteine und DNA angreifen, die Hautalterung beschleunigen und ebenfalls zu Hautkrebs beitragen können.
Warum Sonne auch gut ist
Wir müssen uns aber nicht komplett vor der Sonne verstecken. UVB-Strahlung ist entscheidend für die körpereigene Vitamin-D-Produktion, die für Immunsystem, Knochenstoffwechsel und viele weitere Funktionen wichtig ist. Mehrere Studien zeigen sogar, dass Menschen mit höherer Sonnenexposition ein geringeres Risiko für bestimmte Krebsarten wie Prostata- und Brustkrebs haben. Es geht also um das richtige Maß, nicht um komplettes Meiden.
Carotinoide als Sonnenschutz von innen
Hier kommen die Carotinoide ins Spiel – natürliche Farbstoffe, mit denen sich Pflanzen selbst vor UV-Strahlung und oxidativem Stress schützen. Essen wir sie, lagern sie sich in unserer Haut ein und machen sie widerstandsfähiger. Als Antioxidantien neutralisieren sie die freien Radikale, die von der Sonne ausgelöst werden. Die wichtigsten Vertreter:
- Astaxanthin: eines der stärksten Carotinoide, aus Mikroalgen (gibt Lachs und Krabben ihre rote Farbe)
- Betacarotin: aus buntem Gemüse wie Karotten und Süßkartoffeln sowie aus Spirulina
- Lycopin: vor allem aus Tomaten und Tomatenmark
Astaxanthin und Betacarotin für die Haut
In einer randomisierten Studie nahmen Teilnehmer über zehn Wochen täglich 4 Milligramm Astaxanthin ein. Die UV-Toleranz der Haut stieg signifikant – die Haut vertrug mehr Strahlung, bevor eine Rötung entstand. Zusätzlich reduzierte sich der UV-bedingte Feuchtigkeitsverlust, und das Hautbild verbesserte sich.
Auch Betacarotin lagert sich in der Haut ein und verleiht ihr einen leichten goldenen Ton. Sein Schutz baut sich langsam auf: Eine Metaanalyse von sieben Studien fand ihn erst ab etwa zehn Wochen Einnahme, danach wuchs er mit jedem weiteren Monat. Eine belastbare Prozentzahl für Betacarotin allein gibt es nicht. Für Lycopin schon: 40 Gramm Tomatenmark täglich senkten die UV-bedingte Hautrötung nach zehn Wochen um 40 Prozent.
Welche Lebensmittel die Haut noch schützen
Nicht nur Carotinoide wirken. Auch Polyphenole aus grünem Tee und Kakao zeigten deutliche Effekte:
| Lebensmittel | UV-Reaktion nach 6 Wochen | nach längerer Einnahme |
|---|---|---|
| Grüner Tee (Catechine) | −16 % | −25 % (12 Wochen) |
| Kakao (Flavanole) | −15 % | −25 % (12 Wochen) |
| Tomatenmark (Lycopin) | nicht erhoben | −40 % (10 Wochen) |
| Betacarotin | kein Effekt | signifikant ab 10 Wochen, ohne Prozentangabe |
Um Himbeersamenöl hält sich der Ruf, es entspreche einem Lichtschutzfaktor von 20. Gemessen stimmt das nicht: Zwei Untersuchungen kamen auf einen Lichtschutzfaktor von 0,4 im Labor und 2,6 auf der Haut und führen die hohen Werte auf eine fehlerhafte Messmethode zurück. Als Sonnenschutz taugt es nicht. Entscheidend bei allen Ansätzen von innen ist die Regelmäßigkeit.
Fazit
Die Haut lässt sich tatsächlich von innen stärken: Carotinoide wie Astaxanthin, Betacarotin und Lycopin sowie Polyphenole aus grünem Tee und Kakao lagern sich ein, neutralisieren freie Radikale und erhöhen die UV-Toleranz messbar. Das ist eine sinnvolle Ergänzung – aber kein Ersatz für Sonnencreme, Schatten und Kleidung bei starker Sonne. Am besten kombiniert man beides: bunt und antioxidantienreich essen und die Haut bei intensiver Strahlung zusätzlich von außen schützen. Und wie immer gilt: Regelmäßigkeit entscheidet.
Häufige Fragen
Kann man Sonnenschutz essen?
Bis zu einem gewissen Grad ja. Carotinoide aus buntem Gemüse lagern sich in der Haut ein und erhöhen die UV-Toleranz. Sie ersetzen aber keine Sonnencreme.
Welche Lebensmittel schützen die Haut von innen?
Carotinoidreiche wie Karotten, Süßkartoffeln, Tomaten und Spirulina sowie Polyphenole aus grünem Tee und Kakao.
Was ist Astaxanthin?
Eines der stärksten Carotinoide, gewonnen aus Mikroalgen. In einer Studie erhöhte es die UV-Toleranz der Haut und reduzierte den Feuchtigkeitsverlust.
Wie stark schützt Betacarotin vor Sonne?
Messbar, aber langsam: Eine Metaanalyse von sieben Studien fand einen Schutz erst ab etwa zehn Wochen Einnahme, der mit jedem weiteren Monat zunahm. Eine belastbare Prozentzahl für Betacarotin allein liefert keine der Studien. Es verleiht der Haut zudem einen leichten goldenen Ton.
Ersetzen Carotinoide die Sonnencreme?
Nein. Sie bieten nur einen begrenzten Eigenschutz und ergänzen Sonnencreme, Schatten und Kleidung, die bei starker Sonne unverzichtbar bleiben.
Ist Sonne nur schädlich?
Nein. Sie ist wichtig für die Vitamin-D-Produktion, und mehr Sonnenexposition ging in Studien mit geringerem Risiko für bestimmte Krebsarten einher. Entscheidend ist das richtige Maß.
Was ist Himbeersamenöl?
Ein Pflanzenöl, dem oft ein Lichtschutzfaktor von 20 zugeschrieben wird. Messungen widerlegen das: 0,4 im Labor, 2,6 auf der Haut. Die kursierende Zahl geht auf eine fehlerhafte Messmethode zurück – als Sonnenschutz ist das Öl ungeeignet.
Wie schnell wirkt der Sonnenschutz von innen?
Nicht sofort. Die schützenden Effekte bauen sich über mehrere Wochen regelmäßiger Aufnahme auf – Regelmäßigkeit ist entscheidend.
Quellen
- Köpcke W, Krutmann J. (2008). Protection from sunburn with beta-carotene – a meta-analysis. Photochemistry and Photobiology, 84(2):284-8.
- Heinrich U, Gärtner C, Wiebusch M et al. (2003). Supplementation with beta-carotene or a similar amount of mixed carotenoids protects humans from UV-induced erythema. The Journal of Nutrition, 133(1):98-101.
- Heinrich U, Neukam K, Tronnier H, Sies H, Stahl W. (2006). Long-term ingestion of high flavanol cocoa provides photoprotection against UV-induced erythema and improves skin condition in women. The Journal of Nutrition, 136(6):1565-9.
- Heinrich U, Moore CE, De Spirt S, Tronnier H, Stahl W. (2011). Green tea polyphenols provide photoprotection, increase microcirculation, and modulate skin properties of women. The Journal of Nutrition, 141(6):1202-8.
- Stahl W, Heinrich U, Wiseman S, Eichler O, Sies H, Tronnier H. (2001). Dietary tomato paste protects against ultraviolet light-induced erythema in humans. The Journal of Nutrition, 131(5):1449-51.
- Kim S, Michniak-Kohn B et al. (2021). UVB photoprotective efficacy of virgin vegetable oils and the suitability of the dilution method for determining their SPF value. Photochemical & Photobiological Sciences, 20(1):139-151.
- Popioł-Adamska J et al. (2026). Natural photoprotection under scrutiny: an in vitro evaluation. Photochemical & Photobiological Sciences, 25(6):1145-1153.
- Stahl W, Sies H. (2012). Photoprotection by dietary carotenoids: concept, mechanisms, evidence and future development. Molecular Nutrition & Food Research, 56(2):287-95.
Simon Gütter ist Redakteur bei GesundeFakten und schreibt über Ernährung, Gesundheit und den kritischen, evidenzbasierten Umgang mit Studien. Sein Anspruch: wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich machen, ohne sie zu verkürzen. Für jeden Beitrag recherchiert er Studien in PubMed und Europe PMC, bevorzugt Übersichtsarbeiten, Metaanalysen und randomisierte kontrollierte Studien am Menschen, und führt jede geprüfte Quelle unter dem Artikel auf. Seine Beiträge ersetzen keine ärztliche Beratung.



